Siemens leitet Trennung von verlustbringender Handysparte ein

3. Mai 2005, 10:12
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Marke Siemens soll bei Handys erhalten bleiben - Kleinfeld hält Ergebnissteigerung im Konzern für schwierig

Der Siemens-Konzern hat die Trennung von seiner verlustbringenden Handysparte eingeleitet. Der Bereich werde in den nächsten drei Monaten aus dem Konzern ausgegliedert und juristisch eigenständig, kündigte Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger am Mittwoch in Lissabon an. Damit soll der Zusammenschluss des Verlustträgers mit einem Partner vereinfacht werden.

Unwarscheinlich

In diesem Fall sei aber unwahrscheinlich, dass Siemens die Mehrheit behalte, erklärte Neubürger. Laut Vorstandschef Klaus Kleinfeld will Siemens in Kürze die Entscheidung über den möglichen Einstieg eines oder mehrerer Interessenten fällen. Von Jänner bis März schrieb die Handysparte einen Verlust von 138 Mio. Euro nach einem ähnlich hohen Minus im Vorquartal.

Eine Lösung für den defizitären Handybereich war seit langem erwartet worden. Ein Siemens-Sprecher hatte Anfang Jänner erläutert, dass der Konzern die vier Optionen Sanierung, Suche nach einem Kooperationspartner, Verkauf oder Schließung prüfe. Mit der Ausgliederung der Sparte scheint die komplette Schließung vom Tisch. Derzeit würden Gespräche mit mehreren möglichen Partnern geführt, sagte Neubürger.

Verhandlungen mit Motorola, Acer und Nortel

Presseberichten zufolge wird mit Motorola, Acer und Nortel verhandelt. Die Marke Siemens soll nach den Worten Neubürgers bei den Mobiltelefonen erhalten bleiben. Die Zahl der verkauften Mobiltelefone brach im zweiten Quartal des Geschäftsjahres auf 9,3 Millionen nach 12,8 Millionen im Vorjahreszeitraum ein. Derzeit macht Siemens mit seiner Handysparte rund 1,5 Mio. Euro Verlust am Tag.

Welche Auswirkungen die neue Struktur der Handysparte auf die Siemens-Tochter in Österreich haben werde, wo es einen Handyvertrieb, aber keine Produktion gibt, lasse sich heute noch nicht sagen, sagte Siemens Österreich-Konzernsprecher Karl Strasser auf APA-Anfrage. Dafür müsse man erst weitere Details abwarten.

Auch für den Gesamtkonzern wollte sich Siemens-Chef Kleinfeld nicht auf eine optimistische Prognose festlegen. Ob das Nettoergebnis in diesem Jahr tatsächlich steigen werde, wie es sein Vorgänger Heinrich von Pierer für möglich gehalten hatte, sei derzeit schwer einzuschätzen, sagte Kleinfeld.

Gewinn

Der Gewinn nach Steuern lag im zweiten Quartal bei 781 Mio. Euro, im Vorjahresquartal hatten - nach Abzug von Sondereinnahmen aus dem Verkauf der Infineon-Aktien - noch 807 Mio. Euro gestanden. Der Umsatz legte um vier Prozent auf 18,563 Mrd. Euro zu. Das Geschäftsjahr 2004/2005 von Siemens begann im Oktober.

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