Fischer dankt der Aufbaugeneration

15. Mai 2005, 11:03
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Bundespräsident in TV-Ansprache zu 60 Jahre Zweiter Republik: Sieg der Alliierten über Hitler war "nicht unsere Niederlage"

Wien - Bundespräsident Heinz Fischer hat am Dienstagabend in einer Fernseh-Ansprache zum 60. Geburtstag der Zweiten Republik "ein großes Dankeschön an die Generation unserer Eltern und Großeltern" ausgesprochen. Gleichzeitig bat das Staatsoberhaupt die Österreicherinnen und Österreicher diesen Geburtstag, "der am Beginn eines erfolgreichen österreichischen Weges steht", immer "in ehrenvoller Erinnerung zu behalten." Der Sieg der Alliierten über Hitler sei "nicht unsere Niederlage" gewesen, betonte Fischer.

Aufgezeichnet wurde die Fernseh-Ansprach in jenem Raum des Wiener Rathauses, in dem am 27. April 1945, unter dem Vorsitz des späteren Bundespräsidenten Karl Renner eine provisorische österreichische Regierung zu ihrer ersten Sitzung zusammengetreten war und die Unabhängigkeitserklärung betreffend die Wiederherstellung eines selbstständigen und demokratischen Österreichs proklamiert hatte. "Das war die Geburtsstunde und die Geburtsurkunde der Zweiten Republik, der erste Schritt in eine demokratische, rot-weiß-rote Zukunft nach der Befreiung von den Hitler-Truppen und der Hitler-Diktatur. Es war ein historisches Ereignis", sagte Fischer.

"Und so wie wir den 60. Geburtstag eines Familienmitgliedes feiern, ist es mir als Bundespräsident ein Bedürfnis diesen 60. Geburtstag der Zweiten Republik zu würdigen". Der Bundespräsident gedachte dabei ausdrücklich "dankbar jener Männer und Frauen, die Widerstand gegen das NS-System geleistet haben, die für die Wiedergeburt unseres Landes gekämpft haben und dies oft mit ihrem Leben bezahlen mussten."

Fischer erinnerte daran, dass das Kriegsende blutig war und Opfer auf allen Seiten gefordert hat. "Unter den Soldaten ebenso wie unter der Zivilbevölkerung. Aber die unmenschliche Diktatur Hitlers, die Millionen Menschen das Leben kostete, konnte nicht friedlich beendet werden. Sie konnte nur militärisch überwunden werden. Daher war der Sieg der Alliierten ein Sieg über Hitler, aber nicht unsere Niederlage. Die Niederlage Hitlers war die Voraussetzung für die Befreiung Österreichs von der nationalsozialistischen Diktatur. Die Voraussetzung dafür, dass aus der so genannten Ostmark unter dem Zeichen des Hakenkreuzes wieder das selbstständige Österreich unter der rot-weiß-roten Fahne werden konnte", sagte das Staatsoberhaupt.

Der Bundespräsident hob auch hervor, dass trotz der aus heutiger Sicht unvorstellbaren Verhältnisse schon in den ersten Stunden und Tagen nach Kriegsende der Wiederaufbau begonnen habe, "der von einem unglaublichen Lebenswillen der Bevölkerung, aber auch von der Begeisterung über das Ende des barbarischen Krieges getragen war. Nie wieder Krieg war ein Leitmotiv, zu dem ich mich bis heute bekenne. Aus den Ruinen begann wieder neues Leben zu wachsen. Und bald wurden auch die Ruinen selbst beseitigt. Tag für Tag gab es kleine oder größere Erfolge." Nur ein Erfolg, nämlich der Abschluss des Staatsvertrages, der auch zum Abzug der Besatzungsmächte führen sollte, "blieb uns zehn lange Jahre verwehrt" und konnte erst am 15. Mai 1955 erreicht werden. (APA)

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