Bestandsgarantie als Stiftungsvorleistung

3. Mai 2005, 11:56
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Das Josefstadt-Theater vor der Mutation

Wien - Da die seit Langem beabsichtigte Überführung des Wiener Josefstadt-Theaters in eine Stiftung in unendlich kleinen Zwischenschritten angebahnt wird, ohne dass man vorderhand vom Aufsteigen einer weißen Rauchsäule berichten könnte, geraten die schönsten Programmvorhaben für 2005/06 ganz wie von selbst ins Hintertreffen.

Der wiedergenesene Karlheinz Hackl wird die Saison als Regisseur von Ibsens Nora eröffnen, Wolf-Dietrich Sprenger nimmt sich Bernhards Der Ignorant und der Wahnsinnige an, Herbert Föttinger stemmt Anzengrubers Das vierte Gebot, Altmeister Hans Hollmann wird nach langen Jahren der Wien-Absenz Oscar Wildes Bunbury mit einem handverlesenen Männerensemble inszenieren. Die Uraufführung eines Friederike-Roth-Stücks (Regie: Günter Krämer) wird immerhin angekündigt.

Der Schwerpunkt der Programmpressekonferenz in den Sträußelsälen lag naturgemäß auf prosaischem Gebiet: Mit der Verve eines Vereinskassiers trug Verwaltungsdirektor Thomas Götz die Frohbotschaft vor, dass sich die Subventionsgeber Gemeinde und Bund zu einer Art gemeinsamer Bestandserklärung zusammengefunden hätten. Das Josefstadt-Theater wird fortan über 12,3 Millionen Euro Jahressubvention verfügen. Erzielen die Zahler obendrein über die personelle Beschickung des Stiftungsrates Einigkeit, könne hurtig ans Unterfertigen der Stiftungsurkunde gegangen werden. Bis Ende Mai, warf Direktor Helmuth Lohner ein, müsse die Direktionsbesetzungsfrage gelöst werden. Nichts spricht somit gegen die Bestellung von Favorit Herbert Föttinger.

Die vielen Eigenheiten der Josefstädter Geschäftsgebarung in der jüngeren Vergangenheit bezeichnete Götz als "Blessuren", die man davongetragen habe: Durch die frühere Umwidmung von Umbaumitteln wurde ein Renovierungsgeldbedarf von 14,5 Millionen Euro festgeschrieben. Die tatsächliche Einlösung des Versprechens steht vorderhand in den Sternen.

Aktuell freut man sich über Mehreinnahmen von 850.000 Euro gegenüber der Vorsaison, einen Eigendeckungsgrad von 43 Prozent und eine Auslastung von 85 Prozent. Die Saison des unglücklichen Hans Gratzer soll übrigens Schulden von 700.000 Euro eingebracht haben. (poh/DER STANDARD, Printausgabe, 27.04.2005)

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