Eine Party braucht Konzepte und Lieder

2. Mai 2005, 12:03
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700.000 Euro Sicherheitsbudget, 150 Exekutivbeamte täglich im Einsatz - Die Veranstalter wollen auf alles gefasst sein

Wien - "Hooliganismus und Terror." Darauf, sagt Liese Prokop, muss vorbereitet sein, wer ein großes Sportereignis organisiert. "Denn leider sind solche Ereignisse dazu angetan, dass bestimmte Gruppen versuchen, Unruhe und Gewalt hineinzubringen."

In Wien und Innsbruck steigt ab Samstag eines der heuer weltweit größten Sportfeste. Gestern hat Prokop gemeinsam mit Dieter Kalt, dem Chef des Eishockeyverbands (ÖEHV) und der WM-Organisation, das WM-Sicherheitskonzept präsentiert. Die Exekutive wird klarerweise in den Hallen, in den Fanparks und Tiefgaragen, wird aber auch in den Hotels der 16 Teams präsent sein, jede Mannschaft bekommt einen Beamten ständig zugeteilt. Täglich werden insgesamt 150 Beamte Dienst versehen, siebzig in Innsbruck, achtzig in Wien, dazu kommen die Organe des privaten Sicherheitsdienstes Securitas, die beispielsweise den Zutritt in die Hallen kontrollieren. Prokop: "Der Eishockeyverband ist routiniert, unsere Leute sind routiniert, eine tolle Zusammenarbeit."

ÖEHV-Präsident Kalt ist stolz darauf, dass der internationale Verband (IIHF) das Sicherheitskonzept als Grundlage für künftige Veranstaltungen heranziehen will. Er verweist darauf, dass selbst im Notfall die Kommunikation "nahtlos funktionieren und auf Knopfdruck ein kleiner Stab zusammentreten kann".

Bis dato wurden mehr als 240.000 Karten abgesetzt, man rechnet mit insgesamt 300.000 verkauften Tickets. Günther Marek, Leiter des Referats Sportangelegenheiten im Innenministerium, erwartet einen reibungslosen Ablauf. "Wir haben keinen einzigen Hinweis darauf, dass es Probleme geben könnte." Die meisten Anhänger werden aus Tschechien und der Slowakei erwartet, nur wenige von ihnen bleiben über Nacht, das unterscheidet sie von 3000 reisefreudigen Letten.

Wieso der Eishockeyfan im Vergleich zum Fußballanhänger derart friedfertig ist? Otmar Weiß, Soziologe am Sportwissenschaftlichen Institut der Universität Wien meint, dass der Zuschauer sich in einer Halle "weniger anonym" fühlt als im Stadion. Insgesamt ist dem Besucher, wenn man so will, der Spaß an der Freud' wichtiger als das Ergebnis, er will ein großes Fest feiern. Während der Fußballfan gern verhöhnt, feuert der Eishockeyfan beinah ausschließlich an. Zur Ausnahme in den vergangenen Jahren gerieten Duelle zwischen Österreich und Deutschland, wobei die Anhänger auch hier am Ende einen gemeinsamen Nenner fanden. "Eishockeyfans, Eishockeyfans", sangen sie dann, und weiter: "Wir sind alle Eishockeyfans!" (Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE 27.4. 2005)

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