Rudolf Ekstein 1912 - 2005

4. Mai 2005, 12:33
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Der bedeutende Wiener Psychoanalytiker starb 93-jährig in Los Angeles

Wien - Der bedeutende Wiener Psychoanalytiker Rudolf Ekstein ist tot. Wie der Vorstand der Universitätsklinik für Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters Max Friedrich, am Dienstag bekannt gab, starb Ekstein bereits am 25. März im Alter von 93 Jahren in Los Angeles.

Ekstein, der am 9. Februar 1912 in Wien geboren wurde, studierte Psychologie, Philosophie und Geschichte an der Wiener Universität bei Moritz Schlick, Max Adler und Charlotte Bühler. Weiters studierte er am Wiener Psychoanalytischen Institut (Lehrgang für psychoanalytische Pädagogik) - unter anderem bei Anna Freud, Willi Hoffer und August Aichhorn.

Im März 1938 emigrierte er nach dem "Anschluss" als "Psychoanalytiker, Jude, Sozialdemokrat", wie Peter Pelinka 1992 in der Wiener Stadtzeitung Falter schrieb, über London nach Amerika.

Arbeit mit Kindern

Seine Karriere brachte Ekstein von 1947 bis 1957 an die Menninger Foundation in Topeka, Kansas, wo er auch Lehranalytiker wurde. Von 1957 bis 1976 arbeitete er am Reiss Davis Center in Los Angeles. Internationalen Ruf erwarb sich Ekstein durch seine Arbeit mit psychotischen, autistischen und Borderline-Kindern und mit seinen Konzepten zur Ausbildung und Supervision im psychologischen, pädagogischen sowie analytischen Bereich.

Ekstein war viele Jahre als Lehranalytiker in Los Angeles tätig - als Gastprofessor lehrte er ab 1970 an der Universität Wien. Wichtigstes Anliegen war ihm der Brückenbau zwischen zwei Welten, Kontinenten, Sprachen und Kulturen, zwischen psychotherapeutischen Schulen, Pädagogik und Psychoanalyse.

In seiner regen Seminar-und Supervisionstätigkeit an mehreren Wiener Kliniken und für Psychagogen gab er diese Haltung weiter. 1995 erhielt Ekstein noch das Ehrendoktorat der Medizin der Universität Wien. Die Initiative dafür war vom Wiener Neuropsychiater Ernst Berger ausgegangen. "Es hatte damals zuerst auch antisemitische Widerstände gegeben", erinnert sich Berger. "Wir brauchen keinen Ehrenjuden, hatte es geheißen."

1998 übernahm das Sonderpädagogische Zentrum für integrative Betreuungsformen in Wien die Zusatzbezeichnung "Rudolf Ekstein Zentrum". Zu diesem Anlass erhielt Ekstein 1999 den Goldenen Rathausmann der Stadt Wien. (frei, DER STANDARD, Print, 27.4.2005)

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