Der alte Mann und das Auto

2. Mai 2005, 10:48
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Nach der Geisterfahrt eines 71-Jährigen: Das Altern der Gesellschaft wird sich auch auf den Straßen auswirken

Wien – Er habe gedacht, er sei auf der Bundesstraße unterwegs, rechtfertigte sich der 71- Jährige. Nachdem ihn die Gendarmerie gestoppt hatte – der Mann war Montagabend mehrere Kilometer auf der Südautobahn bei Guntramsdorf als Geisterfahrer unterwegs gewesen und hatte fünf Unfälle mit zwei Leichtverletzten verursacht.

Der laut Exekutive desorientierte Pensionist lenkt die Aufmerksamkeit auf die Frage, wie sicher Senioren im Straßenverkehr sind. Rund 1,8 Millionen Menschen, die 60 Jahre oder älter waren, gab es laut Statistik Austria im Jahr 2003 in Österreich – in zehn Jahren sollen es über zwei Millionen sein, ein Anstieg um 19 Prozent.

Eher überfordert

Die alternde Gesellschaft wirkt sich auch auf den Straßen aus. Im Vorjahr starben 110 Personen aus der Gruppe der über 75-Jährigen im Verkehr, mehr als bei den als Hauptrisikogruppe geltenden 20 bis 24 Jahre alten Verkehrsteilnehmer. Der Unterschied: Bei den Senioren gibt es einen viel größeren Anteil an Fußgängern, die getötet werden. Dennoch registrieren die Experten eine steigende Tendenz bei den Unfällen, die von Pensionisten hinter dem Steuer verursacht werden. „Diese Gruppe fährt zwar sehr defensiv und langsamer, bei komplexen Verkehrssituationen können sie aber überfordert sein“, weiß Klaus Robatsch vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV).

Eine Einschätzung, die vom Statistischen Bundesamt in Deutschland belegt wird: Die Hauptursache für Seniorenunfälle sind Vorrangverletzungen, wurde dort analysiert. Von regelmäßigen Tests der Fahrtauglichkeit ab einem gewissen Alter, wie sie von der EU-Kommission im Vorjahr angedacht wurde, hält Robatsch nichts. „Es wäre viel zielführender, die Leute dazu zu animieren, auf freiwilliger Basis ihre Fähigkeiten überprüfen zu lassen“, meint er. Ein Ansatz, den auch Verkehrsminister Hubert Gorbach (BZÖ) verfolgt. „Prinzipiell ist die Gruppe in der Unfallstatistik derzeit unauffällig. Der Minister plädiert daher für Eigenverantwortung der Lenker und keine zusätzliche Bürokratie“, meint Gorbachs Sprecherin Christine Lackner.

Sichere Tunnel

Erfreut ist der Minister über ein anderes Verkehrsthema: die Ergebnisse des europaweiten Tunneltests des ÖAMTC. Der Sieger kommt mit dem Tunnel Ottsdorf auf der A9, der Pyhrnautobahn, nämlich aus Österreich. Auch drei weitere der sechs auf Sicherheitsmerkmale untersuchten heimischen Bauwerke schnitten „sehr gut“ ab. Als „bedenklich“ wurde allerdings der Ganzsteintunnel bei Mürzzuschlag bewertet, dort hapert es bei Beleuchtung, Belüftung und Entfernung der Ausgänge. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe, 27.04.2005)

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