Mit Charme und Härte zur VA Tech

9. Mai 2005, 14:08
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Siemens-Infotage für Belegschaft gut besucht - Zwischenbericht der EU-Wettbewerbskommission enthält "ernsthafte Bedenken"

Wien – Beruhigende Worte, die eine goldene Zukunft verheißen, ein Film, dem es an Klischees nicht mangelt, und zum Schluss Würstel und Getränke. Ängste zu zerstreuen und Zweifel auszuräumen vermochten die Informationsveranstaltungen, zu denen Siemens die VA-Tech-Belegschaft in Linz und Weiz geladen hat, trotzdem nicht.

Zu groß ist die Ungewissheit über die Arbeitsplätze der rund 8000 österreichischen VA Techler. Freundliche Nasenlöcher machten sie trotzdem: Der Charmeoffensive in Linz folgten 1200 Tech-Beschäftigte, in Weiz waren es weit mehr als die 200 ursprünglich angemeldeten. "Schlauer als vorher sind wir jetzt aber auch nicht", sagte ein Hydro-Mitarbeiter enttäuscht.

Viele Fragezeichen im EU-Zwischenbericht

Mehr als eine Charmeoffensive braucht der Elektromulti indes in Brüssel. Dort nehmen sie die EU-Kartellwächter gerade auseinander wie Mechaniker. Der am Freitag eingelangte Zwischenbericht der Wettbewerbskommission gibt zwar für die angepeilte "Partnerschaft" der Siemens AG Österreich mit ElinEBG weit gehend grünes Licht – Ausnahme ist die Automatisierungstochter SAT – , habe aber sonst noch viele Fragezeichen, erfuhr der STANDARD aus Siemens-Kreisen.

"Ernsthafte Bedenken" meldet die Kommission etwa beim Industrieanlagenbau (VAI), also der Metallurgie in Linz an. Nicht prinzipiell, aber gleichfalls in der Automatisierung, gilt VAI doch als Weltmarktführer bei der Steuerung von Stahlwerken. Zusammen mit ihren Industrial Solutions & Services hätte Siemens wohl eine beträchtliche Marktmacht.

"Ernsthafte Bedenken" verursachen weiters Schienenfahrzeuge (Traktion), Bahnstromversorgung (Umformerwerke, Leitungsbau) und die Frequenzumrichter bei Generatoren ab einer Leistung von 100 Kilowatt.

Probleme in Frankreich

Als harte Nuss dürfte sich einmal mehr Frankreich erweisen, konkret die Hochspannungsschalter in Grenoble, bei denen die Kartellprüfer "ernsthafte Zweifel" für angebracht halten. Probleme gibt es auch bei Wasserkraft und Gaskombikraftwerken.

"Keines dieser Probleme ist unlösbar", gibt man sich bei Siemens gelassen. Im Gegenteil: Mit dem Zwischenbericht sei sichergestellt, dass keine neuen Einwände mehr berücksichtigt würden. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.4.2005)

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