"Othello" eröffnet Theatertreffen in Berlin

3. Mai 2005, 11:56
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Burg-"Don Carlos" wie angekündigt nicht dabei: "Andrea Breth wollte nicht, obwohl wir vor ihr auf Knien lagen"

Berlin - Zu einem "spielerischen und sportlichen" Wettstreit um die "bemerkenswerteste" Inszenierung des Jahres lädt das diesjährige Theatertreffen deutschsprachiger Bühnen ein. Das Treffen wird am 6. Mai im Haus der Berliner Festspiele mit dem Hamburger "Othello" in der Regie von Stefan Pucher eröffnet.

Insgesamt hat die Jury diesmal 600 Inszenierungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz begutachtet und zehn davon nach Berlin eingeladen. Ausgerechnet der Beitrag zum Schiller-Jahr 2005, der "Don Carlos" vom Wiener Burgtheater in der Regie von Andrea Breth, kann aus technischen Gründen in Berlin nicht gezeigt werden. Der Intendant der Berliner Festspiele, Joachim Sartorius, bedauerte die Absage. Das sei sehr schade, müsse aber akzeptiert werden: "Andrea Breth wollte nicht, obwohl wir vor ihr auf Knien lagen." Das Festival dauert bis zum 22. Mai.

Für Jury-Sprecherin Barbara Burckhardt ist in der Auswahl kein besonderer Trend im deutschsprachigen Theater erkennbar. "Es gibt die Vielfalt der Theaterlandschaft mit wunderbaren Schauspielern", sagte sie am Dienstag vor Journalisten. Die Jury sei auch in vielen kleineren Theaterstädten "und natürlich auch im Osten Deutschlands" gewesen. "Leider konzentriert sich das herausragende Theaterleben immer mehr auf die großen Städte, was einerseits auch mit der allgemeinen Finanzlage zu tun hat, aber auch mit dem Drang vor allem junger Menschen in die Theatermetropolen wie Berlin, Hamburg und München."

Das 42. Berliner Theatertreffen steht unter dem Motto "tt vereinsheimat" und hat sich als Logo eine Art Fußballwimpel zugelegt. "Heimat ist das große Thema", sagten Theatertreffen-Leiterin Iris Laufenberg und Sartorius. Zum Rahmenprogramm gehören auch wieder der "Stückemarkt" mit neuen Theaterstücken und als "Talentschmiede" das Internationale Forum Junger Bühnenangehöriger.

Auf der Bühne wird unter anderem Julia Jentsch zu sehen sein, die bei der Berlinale für ihre Rolle in "Sophie Scholl - Die letzten Tage" den Silbernen Bären gewonnen hat. Beim Theatertreffen wird sie in Hebbels "Nibelungen" in der Regie von Andreas Kriegenburg (Münchner Kammerspiele) spielen. Corinna Harfouch und Ulrich Matthes stehen in Jürgen Goschs Inszenierung "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" von Albee (Deutsches Theater Berlin) auf der Bühne. Fritzi Haberlandt spielt Wedekinds "Lulu" in der Regie von Michael Thalheimer (Thalia Theater Hamburg).

Robert Hunger-Bühler ist Darsteller in Stefan Puchers Sicht auf den Roman "Homo Faber" von Max Frisch sowie in Johan Simons "Elementarteilchen" nach Michel Houellebecq (beide Schauspielhaus Zürich). Nina Kunzendorf spielt in Paul Claudels "Mittagswende" in der Regie von Jossi Wieler (Münchner Kammerspiele), Alexander Scheer in Stefan Puchers Shakespeares-Inszenierung "Othello" (Schauspielhaus Hamburg). (APA/dpa/AP)

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