Mutmaßlicher Täter hatte keinen Waffenpass

4. Mai 2005, 16:50
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Tatwaffe stammte vom Schwarzmarkt - Waffenverbot war wieder aufgehoben worden

Eisenstadt - Nach dem Amoklauf von Potzneusiedl beschäftigte die Kriminalisten auch der Herkunft der Waffe, aus der die tödlichen Schüsse auf die drei Opfer abgegeben wurden: Laut Burgenlands Sicherheitsdirektor Erhard Aminger handelt es sich dabei um eine "Tokarev CZ" Kaliber 7,62 samt zwei Magazinen und Munition. Diese und eine weitere Faustfeuerwaffe unbekannten Typs mit Kaliber 6,35 habe der mutmaßliche Täter nach eigenen Angaben vor sieben Jahren auf dem Schwarzmarkt in der Slowakei erstanden.

Kein Waffenpass

Ein gegen den mutmaßlichen Schützen vor einigen Jahren bereits ausgesprochenes und von der Bezirkshauptmannschaft Neusiedl in erster Instanz bestätigtes Waffenverbot sei wieder aufgehoben worden, so der Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, Ronald Reiter. Vom Verbot waren Langwaffen, konkret eine Repetierbüchse, erfasst: "Er hat nie eine Berechtigung gehabt, Faustfeuerwaffen zu besitzen." Dazu hätte 45-Jährige einen Waffenpass oder eine Waffenbesitzkarte gebraucht, "die hat er nie gehabt", so Reiter.

Eine Anzeige, die damals zum Verbot führte, sei im Jahr 2003 von der Staatsanwaltschaft Eisenstadt zurückgelegt worden. Zu weiteren gerichtlichen Untersuchungen sei es nicht gekommen. Bei der Sicherheitsdirektion habe man den Verfahrensausgang abgewartet und dann das Verbot in zweiter Instanz aufgehoben.

Nur Hörensagen

Zuvor habe man nochmals versucht, intensiv zu ermitteln: So wurde die Bezirkshauptmannschaft Neusiedl und die Gendarmerie angeschrieben und ersucht, man möge die Akten durchsehen, ob es noch irgendeinen aktenkundigen Vorfall gebe. "Es ist nichts aufgetaucht, was das irgendwie konkretisiert hätte", so Reiter. Man habe auch versucht, Nachbarn und Zeugen zu befragen: "Jeder hat nur vom Hörensagen etwas gehört. Die Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes sagt uns, dass das zu wenig ist."

Dazu kam, dass der Betroffene im Vorfeld keine strafbare Handlung mit der Waffe gesetzt habe. Hätte es einmal eine derartige Bedrohung gegeben, wäre die Beweislage "handfester" gewesen. Nachdem das Verfahren beim Landesgericht eingestellt wurde, seien deshalb keine Fakten mehr da gewesen, die ein Waffenverbot gerechtfertigt hätten. Allerdings hätte im konkreten Fall auch ein verfügtes Verbot nichts geändert: Man habe nicht gewusst, dass der Verdächtige illegale Waffen besitze, meint Reiter: "Die hätte er sich auch mit einem Waffenverbot beschafft." (APA)

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