Neuer Zoff um Bank Burgenland-Verkauf

20. Mai 2005, 16:46
1 Posting

Geschäftsführer der PARS-Investorengruppe widerruft Kaufinteresse und erhebt Vorwürfe - Millionenschwere Stiftung war geplant

Eisenstadt - Im neu angelaufenen Verkaufsprozess um die Bank Burgenland ist ein möglicher Interessent, die PARS Royal Holding, eine Tochtergesellschaft der US-Investorengruppe PARS, von ihren Kaufabsichten zurückgetreten. Der Geschäftsführer, Helmut Stadler, erhob Vorwürfe gegen Martin Ivancsics, den Büroleiter von Landeshauptmann Hans Niessl (S). Ivancsics hatte eine private Firma in die PARS Royal Holding eingebracht und erscheint auch im Vorstand einer burgenländischen PARS-Privatstiftung. Der Büroleiter betonte auf Nachfrage der APA, "Stadler wie jeden anderen Interessenten behandelt" zu haben. Es habe bisher 12 bis 13 Interessenten für die Bank gegeben.

Kaufinteresse widerrufen

Stadler ging vergangene Woche mit einer E-Mail an Ivancsics an die Öffentlichkeit, in dem er ihm einen "Vertrauensbruch" vorwirft, das "Du"-Wort zurückgibt und ankündigt, Weinpräsente des Landes Burgenland zu retournieren. Außerdem widerrief Stadler sein Kaufinteresse an der Bank. Seit Mitte 2004 habe der Geschäftsführer der PARS-International-Headstrading GmbH mit Sitz in Passau mit Ivancsics Gespräche über ein Engagement im Burgenland geführt. "Ivancsics war unser Brückenkopf im Burgenland", so Stadler am Dienstag im Gespräch mit der APA.

Geplant war eine Stiftung, als deren Direktoren Stadler, James Miller (ein Geschäftspartner Stadlers aus den USA) und Ivancsics eingesetzt werden sollten. "Diese Stiftung wurde gegründet, aber nie eingetragen", so Stadler. Die Stiftung hätte den Zweck gehabt, Kapital zu bündeln und für kulturelle und humanitäre Projekte einzusetzen. "Die Anfangsfinanzierung hätte bei 300 bis 500 Mio. Euro gelegen", meinte Stadler. Das Kapital hätte von den deutschen PARS-Firmen kommen sollen.

Außerdem wurde eine burgenländische Dependance von PARS gegründet, die PARS Royal Holding GmbH mit Sitz in Eisenstadt, der Ivancsics Firma "Archäologiepark Schandorf Errichtungs GmbH" zu Grunde liegt. "Wir haben die Firma für den symbolischen Euro übernommen. Darüber hinaus ist nie ein Cent geflossen", betonte Stadler.

Ein "Nebengeschäft" der finanzkräftigen Stiftung hätte laut Stadler die Bank Burgenland sein sollen. "Die Bank Burgenland wollten wir als ausbaufähige Hausbank verwenden, die weiterhin unabhängig agiert hätte", meinte Stadler. Das Direktorentrio hätte also auch die Bank geleitet, meinte Stadler. Ivancsics hingegen erklärte, es handle sich um "zwei verschiedene Projekte: Den Verkauf der Bank über die üblichen Wege und zusätzlich die Gründung einer Stiftung für soziale und kulturelle Zwecke im Burgenland."

Ivancsics: "Kapitalnachweis fehlte"

Um den Kauf der Bank Burgenland überhaupt in die Wege zu leiten, hatte Ivancsics wiederholt einen Kapitalnachweis von Stadler gefordert, den dieser nicht erbracht habe. Sobald der Nachweis vorgelegen hätte, wollte Ivancsics die Sache an den Aufsichtsratsvorsitzenden der Bank Burgenland, Christoph Herbst, und die für die Verkaufsabwicklung zuständige HSBC weitergeben. In den Raum gestellt habe Ivancsics einen Verkaufspreis von 120 Mio. Euro für die Bank Burgenland, wie Stadler erklärte.

"Es hat sich von unserer Seite her hingezogen", räumte Stadler ein, doch im Februar sei das Geld vorhanden gewesen und es hätte ein Treuhandkonto bei der BAWAG eingerichtet werden sollen, um "einige hundert Millionen Dollar für die Stiftung zu überweisen", so der Geschäftsführer. Stadler bat Ivancsics um Vermittlung, doch die Bank wollte den PARS-Mann persönlich treffen.

Verdacht der Geldwäsche

An diesem Punkt scheiden sich die Geister. Stadler meint, Ivancics habe das Gespräch verhindert, da er den Kontakt zu ihm abgebrochen hätte. Der Büroleiter hält dagegen, Stadler hätte sich den Termin mit der Bank selber ausmachen sollen, "das ist nicht meine Aufgabe". Wie die Tageszeitung "Kurier" am Dienstag berichtet, sollen in der Causa PARS / Bank Burgenland seit kurzem Ermittlungen der Kriminalpolizei laufen, da die BAWAG den Verdacht der Geldwäsche bei der Kripo deponiert habe.

Klar ist, dass kein Konto eröffnet wurde, kein Geld floss und Stadler nun nichts mehr vom Kauf der Bank Burgenland wissen will, wie er bestätigte. In seinem erbosten E-mail an Ivancsics heißt es: "Sehr geehrter Herr Ivancsics, bitte informieren Sie die Burgenländische Landesregierung darüber, dass es kein Engagement von PARS im Burgenland geben wird. Unser Kaufinteresse an der Bank Burgenland widerrufe ich hiermit."

"Vertrauensbruch"

Der "Vertrauensbruch", den Stadler Ivancsics vorwirft, liege in dessen "zu guten Kontakten zu James Miller. Ivancsics war ab Mitte März vier Wochen lang für mich nicht erreichbar, hatte aber zu Miller regelmäßigen Kontakt". Miller, der dritte im Stiftungstrio, stehe mit PARS in keinem Vertragsverhältnis, sei aber ein Geschäftspartner. Stadler befürchtet, Miller habe ihn "auf's Kreuz legen wollen und Ivancsics hat mitgemacht. Miller hat Ivancsics in den USA als Kronprinzen in Österreich präsentiert", so der Geschäftsführer. Ivancsics schilderte die Situation genau umgekehrt: Weil er Stadler nicht habe erreichen können, habe er sich eben an Miller gewandt.

"Interne Konflikte bei PARS" macht Ivancsics für den geplatzten Deal verantwortlich. Der Büroleiter meint, PARS wie alle übrigen Interessenten an der Bank Burgenland behandelt zu haben. "Es ist mein Job als Büroleiter, mit den Interessenten zu reden."

Kontakte zu Landeshauptmann Niessl habe es nicht gegeben, wie sowohl Stadler als auch Ivancsics bestätigten. Die öffentlichen Anschuldigungen von Stadler seien "lästig", so Ivancsics, "aber es ist nachvollziehbar, dass ich alles korrekt abgewickelt habe. Jeder Schritt ist dokumentiert." Wie Stadler betonte, habe Ivancics nie Geld gefordert oder angeboten bekommen, "es ging ihm nur um das Wohl des Burgenlandes." (APA)

Share if you care.