Vitamin C-Steigerung im Kühlschrank

9. Mai 2005, 12:27
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Japanische Entwicklung hält den Brokkoli grün - Mitsubishis Kühlschrankreihe mit gestiegenen Verkaufszahlen

Tokio - Reifes Gemüse schmeckt besser, wird aber selbst im Kühlschrank schnell alt. Wird es unreif gekauft, hält es länger, schmeckt aber nicht und hat weniger Vitamine. Für dieses alte Problem haben japanische Lebensmitteltechniker eine neue Lösung entwickelt: Ihr Kühlschrank sorgt nach Angaben des Herstellers sowohl für Appetitlichkeit als auch für den Geschmack.

Seine Gemüsebox mit hoher Luftfeuchte und orange leuchtenden LED-Lampen fördere die Chlorophyllproduktion in Kohlköpfen und anderem Gemüse, erklärt Kazuhiko Mizuno von Mitsubishi Electric. So steige die Menge an Vitamin C in Brokkoli-Sprossen innerhalb von drei Tagen um zehn Prozent. In herkömmlichen Kühlschränken würde der Brokkoli in dieser Zeit 25 Prozent Vitamin C verlieren.

Hintergrund

Das Gerät gehört zu Mitsubishis Serie "Vitamin Home Electronics". Die verwendete Technologie ist nicht revolutionär, interessant ist aber ihr unkonventioneller Einsatz. Die LED-Leuchtdioden senden eine Strahlung von 590 Nanometern aus. Für das menschliche Auge erscheint das Licht orange. Rot wäre zwar noch wirkungsvoller gewesen, erklärt Mizuno, hätte aber auch Blüten und Knospen sprießen lassen. Da Leuchtdioden wenig Energie verbrauchen, eine lange Funktionsdauer besitzen und so gut wie keine Wärme abstrahlen, eignen sie sich für die Verwendung in Kühlschränken. Der Strom für ein Jahr Dauerbetrieb der Lampen koste bei japanischen Strompreisen umgerechnet gerade einmal 70 Cent, sagt Mizuno.

Markt

Trotzdem sollen die Geräte in nächster Zeit nicht exportiert werden. Denn dort, wo die Kunden problemlos frisches Gartengemüse kaufen könnten, werde Mitsubishi wohl nur wenige Geräte verkaufen können. In Japan hat die Idee dagegen eingeschlagen. Es gebe viele Kunden, die in Großstädten lebten und sehr auf gesunde Nahrungsmittel achteten, sagt Mizuno. Frisches Gemüse sei für sie schwer zu bekommen und der Photosynthese-Kühlschrank daher interessant. Die Verkaufszahlen von Mitsubishis Kühlschrankreihe stiegen um etwa 50 Prozent.

Masaru Sonoda, Professor für biochemische Ernährung an der Kyoritsu Frauenuniversität, meint, der Kühlschrank mache sich die Tatsache zu Nutze, dass Pflanzenzellen auch nach der Ernte nicht gleich absterben. Entscheidend für den Effekt des Kühlschranks sei es daher, wie frisch die gekauften Produkte sind. Selbst die neueste Technik könne aber einem Mangel an Vitaminen nicht so gut vorbeugen wie eine ausgewogene Ernährung.

Gesundheitselektronik

Wer sich dennoch sorgt, kann in Japan mittlerweile aus einer ganzen Menge von Gesundheitselektronik wählen. NEC Lighting bietet unter dem Namen "Vitamin Day" Neonröhren, die mittels schwacher ultravioletter Strahlen die Vitamin-D-Produktion im menschlichen Körper anregen. Da die Strahlung bei 280 bis 320 Nanometern Wellenlänge aber sehr viel schwächer sei als beispielsweise Sonnenlicht, müssten sich die Kunden keine Sorgen machen, erklärte das Unternehmen. Die Lampen eigneten sich besonders für Räume ohne natürliches Sonnenlicht.

Zojirushi, ein Hersteller von Vakuumflaschen und Küchengeräten, bietet einen Filter an, der die Luft mit Vitamin C und Catechin anreichert, einem Stoff, der in Wein und grünem Tee vorkommt und als sehr gesund gilt. Den Angaben des Herstellers zufolge bleiben Rosen in einem geschlossenen Raum mit Filter wesentlich länger frisch.

Bereits etwas älter ist das Konzept der Vitamine zum Anziehen. 2001 stellte Fuji Spinning Textilien vor, die bei Berührung mit der Haut Vitamin C abgeben. Ein Jahr später folgten T-Shirts, impregniert mit Vitamin E. Das Konzept wurde zu tragbaren Kosmetika weiterentwickelt. Ionisiertes Silber soll Krankheitskeime abtöten, eine Seetangessenz hilft beim Abnehmen, und Extrakte aus japanischem Reiswein sorgen für eine gesunde Haut - zumindest versprechen das die Hersteller. (APA)

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    foto: photodisc
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