Ostsee-Stör kehrt auf dem Luftweg zurück

3. Mai 2005, 15:32
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Ausgewachsene Elternfische werden aus Kanada eingeflogen - geplanter Bestand umfasst gegenwärtig etwa 40 Tiere

Vilm/Born - Es ist die Rückkehr eines lebenden Fossils: Das Projekt zur Wiederansiedlung des in der Ostsee ausgestorbenen Störs tritt in seine entscheidende Phase. Zehn ausgewachsene Elternfische - jedes bis zu zwei Meter lang - werden diese Woche aus Halifax in Kanada nach Frankfurt eingeflogen und dann in Containern zum Bestimmungsort Born auf dem Darß gefahren.

Das Projekt wurde bereits vor acht Jahren vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) auf Vilm initiiert, wie Henning von Nordheim, Chef des Meeresnaturschutzes im BfN auf der Insel Vilm, erläutert. Bei den kanadischen Fischen handelt es sich um Vertreter des atlantischen Störs (Acipenser oxyrinchus), der nach neuesten Untersuchungen im Ursprung der einst in der Ostsee heimischen Art entspricht. Der geplante Bestand für das Ostsee-Störprojekt umfasst gegenwärtig etwa 40 Tiere. Sie wurden in den vergangenen drei Jahren im St. John River gefangen und im kanadischen Huntsman Marine Science Centre in St. Andrews kontrolliert gehalten. Zunächst soll die Hälfte von ihnen in die neu gebaute Quarantänehaltung der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern in Born umgesetzt werden.

Aussetzung

Wahrscheinlich noch in diesem Jahr, spätestens jedoch im kommenden Jahr, soll die erste Nachzucht im deutsch-polnischen Odergebiet gestaffelt ausgesetzt werden. Frühestens nach einem guten Jahrzehnt könne festgestellt werden, ob das kostspielige Projekt von Erfolg gekrönt ist und die einst ausgesetzten und ins Meer abgewanderten Störe als geschlechtsreife Exemplare in die Oder zurückkehren, erläutert von Nordheim. Allein in den kommenden drei Jahren werden bis zu drei Millionen Euro in das Vorhaben fließen.

Die Wiederansiedlung in der Oder wird eng mit den polnischen Naturschutzpartnern abgestimmt, wie von Nordheim betont. Begehrlichkeiten von Fischern und Anglern nach schmackhaftem Fischfleisch und kostbarem Kaviar dämpft er aber: "Zunächst geht es um die Wiederansiedlung des Störs in angestammten Gebiet", betont er. Außerdem stehe der Stör unter striktem Naturschutz, den gerade auch Fischer und Angler mit durchsetzen müssten. "Es wäre schon etwas erreicht, wenn unsere Kinder Störe nicht nur als ausgestopfte Exemplare aus den Museen kennen lernten, sondern sie in einigen Jahren wieder in unseren Flüssen und Meeren beobachten könnten."

Handel in weiter Ferne

Sollte das Projekt allerdings zu stabilen Störpopulationen in der Ostsee führen, sei in ferner Zukunft auch eine angemessene wirtschaftliche Nutzung wieder möglich, meint von Nordheim. Ein schwunghafter Handel, wie er vor einem Jahrhundert beispielsweise mit dem Elbstör betrieben wurde und so unter anderem das Geld für den Aufbau des Hamburger Tierparks Hagenbeck erbrachte, wird es allerdings nie wieder geben - darin sind sich die Experten einig.

Lesen Sie auf der folgenden Seite mehr zum Stör.

Störe bevölkerten schon im Jura vor 200 Millionen Jahren die Gewässer, wie Fossilfunde beweisen. Weltweit sind heute 27 Arten dieser Fische bekannt, die wegen ihres dramatischen Rückgangs generell ins Washingtoner Artenschutzabkommen von April 1998 aufgenommen wurden.

Hauptursachen für die Bedrohung und das teilweise Aussterben von Störarten sind Umweltzerstörung und -belastung. Zum anderen wurde ihm auch Überfischung wegen seines schmackhaften Fleisches und des als Kaviar bekannten Störrogens zum Verhängnis. Noch vor einem Jahrhundert tummelten sich der Europäische oder auch Gemeine Stör (Acipenser sturio) und eine dem amerikanisch-atlantischen Stör entsprechende Art, der Acipenser oxyrinchus, in großen Mengen in Nord- und Ostsee mit ihren Zuflüssen. Beide Arten sind bei uns ausgestorben.

Hin und wieder trifft man in unseren Gewässern heute statt der früher beheimateten Störarten verschwisterte Varianten an, die aus der kommerziellen Störzucht oder dem Zoohandel entwichen sind oder ausgesetzt wurden. Dabei handle es sich vor allem um sibirische und russische Störe, die von Natur aus nicht dort hin gehören. (APA/AP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der in der Ostsee ausgestorbene Stör wird dort wieder angesiedelt.

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