Zehn Jahre Super RTL

3. Mai 2005, 14:52
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Zum Geburtstag stehen die Zeichen auf Expansion - Trotz wachsender Konkurrenz im Kinder-TV-Markt

Im Herbst 1998 standen der damalige RTL II-Geschäftsführer Josef Andorfer und sein Kollege Claude Schmit von Super RTL vor einer schwierigen Situation: Die Gesellschafter spielten mit der Idee, beide Sender miteinander zu verschmelzen, weil die Finanzlage alles andere als rosig war. Doch Andorfer und Schmit nahmen den Kampf auf und sicherten zu, innerhalb eines Jahres Gewinne zu erwirtschaften. Super RTL schaffte nach 40 Millionen Mark (20,5 Millionen Euro) Minus im Jahr 1998 ein Jahr später ein Plus von 5,5 Millionen - danach ging der Weg weiter nach oben.

Am 28. April wird Super RTL zehn Jahre alt. Und der 44-jährige Schmit, im Gegensatz zu Andorfer immer noch dabei, hat viele neue Ideen, um den Kinder- und Familienkanal für die Zukunft auszurichten. Und es müssen neue Märkte erschlossen werden, sagt der gebürtige Luxemburger, selbst Vater von drei Kindern. Schmit plant, mit RTL Radio in das Hörfunksegment vorzustoßen sowie den Mobilfunkmarkt anzugehen, denn Kinder werden nach seiner Beobachtung immer mehr zu Handynutzern. Das Merchandising soll vorangetrieben werden, auch im Ausland.

"Toggo"-Familie

Gleiches gilt für die "Toggo"-Familie, eine Programmmarke, die bisher ausschließlich in Deutschland zu Hause ist. Sendungen wie "Toggo Musik" sollen auch in benachbarten europäischen Ländern zu sehen sein, wenn es nach Schmit geht. Die "Toggo.de"-Internetseite hatte im März 121 Millionen Page Impressions zu verbuchen - eine erstaunliche Zahl für eine kinderorientierte Webpage. Auch die Digitalisierung und ihre neue Senderlandschaft stellt Super RTL vor neue Herausforderungen. "Die traditionellen Erlöse werden nicht mehr zweistellig steigen", sagt Schmit. "Daher müssen wir uns auf anderen Märkten umsehen."

Konkurrenz: Nick als Nachfolgesender für Nickelodeon

Die Konkurrenz indes schläft nicht. Im September wird der US-Konzern Viacom mit dem Sender Nick ein neues Kinderprogramm starten, ein Nachfolgekanal des vor sechs Jahren in Deutschland beendeten Nickelodeon. Der Disney-Konzern, neben der RTL Group auch zu 50 Prozent an Super RTL beteiligt, hat im Herbst 2004 zwei neue Programme im digitalen Paket von Kabel Deutschland lanciert. Und Fox Kids, bei Premiere im Abo-Programm erhältlich, steht vor einem Relaunch und der Umbenennung in Jetix im Juni. Gerade der neue Mitbewerber im Free-TV, Nick, könnte Schmit wurmen, doch er fürchtet Viacom und seine neuen Pläne nicht.

Der Grund: "Wir haben selber Rechte an Viacom-Produktionen bis zum Jahr 2011", sagt Schmit. Exklusives Material für den neuen Sender gebe es also kaum. Nick habe außerdem eine technische Reichweite von unter 70 Prozent und liege damit deutlich unter den Mitstreitern. Die Marke Nick müsse sich zudem erst durchsetzen, und als Ziel habe der Kanal ausgegeben, eines Tages unter den Drei- bis 13-jährigen Kindern einen Marktanteil von zehn Prozent zu erzielen. Dieses sei für die werbetreibende Industrie kein Anreiz, so der Geschäftsführer von Super RTL, das selbst mit 28,9 Prozent Marktführer unter den Jüngsten ist.

Die Claims am traditionellen Fernsehmarkt sind also weitgehend abgesteckt. Und wenn alle Eltern sich an Schmits Vorgaben für die eigenen Kinder (seine sind zwischen sieben und 14) hielten, wäre Wachstum ziemlich ausgeschlossen: Schmit gewährt seinem Nachwuchs jeden Tag eine Stunde gesamten Medienkonsum, Fernsehen eingeschlossen. (APA)

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