WWF: Seltener Kaiseradler in Niederösterreich vergiftet

3. Mai 2005, 15:32
1 Posting

Ein "herber Rückschlag" für den Artenschutz - Bevölkerung soll Giftfälle von Wild- oder Haustieren melden

Wien - Ein seltener Kaiseradler, der am 15. April im Bezirk Gänserndorf tot aufgefunden worden war, wurde nach Angaben des WWF vergiftet. Die Untersuchung des Kadavers auf der Veterinärmedizinischen Universität in Wien habe eindeutig ergeben, dass das Tier dem Gift Carbamat zum Opfer gefallen war. Umweltschützer und Jägerschaft werten diesen Zwischenfall als "herben Rückschlag" im Rahmen der gemeinsamen Bemühungen um den Artenschutz.

"Das ist nun schon das zweite Exemplar dieser seltenen Adlerart, das in den vergangenen beiden Jahren einem heimtückischen Giftanschlag zum Opfer gefallen ist", ärgerte sich Norbert Gerstl, Leiter der WWF-Aktion "Vorsicht Gift". "Unsere jahrelangen Bemühungen um den Kaiseradler werden durch so eine Untat zunichte gemacht, weil bei einer so seltenen Art der Verlust jedes einzelnen Tieres unersetzlich ist", ergänzte Gerhard Loupal von BirdLife.

Gefahr für Tiere

"Die Kooperation zwischen WWF und Jägerschaft hat durch erhöhte Aufmerksamkeit in den Revieren zu einer wesentlichen Verbesserung der gesamten Situation geführt. Ein Giftanschlag auf einen Kaiseradler stellt einen herben Rückschlag dar, der den ökologische Schaden aufzeigt, den ausgelegtes Gift verursachen kann", kommentierte Peter Lebersorger, Generalsekretär der Zentralstelle der heimischen Landesjagdverbände. "Frei lebende Tiere, aber ebenso Jagd- oder Begleithunde sind dadurch gleichermaßen in Gefahr."

WWF und NÖ Landesjagdverband haben nun dazu aufgerufen, Giftfälle von Wild- oder Haustieren unter den Telefonnummern 0676/4446612 bzw. 01/4051636-0 umgehend zu melden.

Kaiseradler

Der Kaiseradler erreicht Flügelspannweiten bis zu zwei Meter und brütet vorwiegend in den Ebenen im Osten Österreichs. In Österreich galt der majestätische Greifvogel 190 Jahre lang als ausgestorben, bevor er 1999 zum ersten Mal wieder im Burgenland brütete. Die Ansiedlung eines weiteren Brutpaares erfolgte im Jahr 2004 ebenfalls im Nordburgenland.

Im 20. Jahrhundert wurden besonders in Mittel- und Südosteuropa deutliche Bestandsrückgänge registriert. Der Kaiseradler wird als weltweit bedrohte Vogelart eingestuft und ist auch im Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie aufgelistet. Erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts kam es in Europa zu einer Stabilisierung des Bestandes. Nach neuesten Schätzungen liegt der europäische Brutbestand des Kaiseradlers bei knapp über 1.000 Brutpaaren. Der Gesamtbestand der Länder Ungarn, Slowakei, Tschechien und Österreich wurde im Jahr 2000 auf rund 100 Brutpaare geschätzt. (APA)

Link
WWF
  • Artikelbild
    foto: wwf/franz kovacs
Share if you care.