Italiens neuer Vize will Strände privatisieren

9. Mai 2005, 13:34
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Giulio Tremonti: "Ich würde Lizenzen für eine 100-jährige Ausnutzung der Strände verkaufen", um Defizit einzudämmen

Rom - Der neue italienische Vizepremier Giulio Tremonti sorgt drei Tage nach seiner Ernennung für Aufsehen. In einem Fernsehinterview schlug der Wirtschaftsexperte die Privatisierung der italienischen Strände vor. "Ich würde Lizenzen für eine 100-jährige Ausnutzung der Strände verkaufen. Mit dem Geld, das der Staat damit eintreiben würde, könnte man große Pläne zur Förderung des Tourismus in Süditalien finanzieren ", betonte Tremonti im Interview mit dem TV-Sender TG 5 am Montagabend.

Die Worte des Vizepremiers lösten postwendend heftige Reaktionen aus. "Tremonti will den Süden verschleudern. Er denkt sich jeden Trick aus, um das Defizit einzudämmen", kritisierte die oppositionelle Linke. Tremonti hatte in den vergangenen Jahren auch eine Amnestie für Bausünder genehmigt, die heftigen Protest ausgelöst hatte.

Im Vorjahr zurückgetreten

Der im Juli des Vorjahres zurückgetretene Wirtschaftsminister Tremonti war als Vizepremier in das Kabinett zurückgekehrt. Tremonti, Angehöriger der rechtsliberalen Partei Forza Italia (FI) des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, hatte im Sommer wegen Meinungsverschiedenheiten mit der rechtsgerichteten Alleanza Nazionale (AN) seinen Posten aufgegeben. Er gilt als Vertrauensmann des Premiers, der Tremonti unbedingt wieder in der neuen Regierung wollte, die am Samstag vereidigt wurde.

In den vergangenen Jahren hatte einen Plan der Regierung Berlusconi, demzufolge auch Privaten die Verwaltung von kulturellen Einrichtungen anvertraut werden kann, für heftige Kontroversen gesorgt. Das vom ehemaligen Kulturminister Giuliano Urbani ausgearbeitete Projekt wollte mehr Effizienz in die Verwaltung der italienischen Kunstschätze bringen und zugleich daraus mehr Gewinn schlagen. Der Plan wurde jedoch nicht realisiert. (APA)

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    Ein italienischer Badestrand. Italiens Vizepremier will derartige Plätze künftig privatisieren.

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