Die Handynetzbetreiber haben ein neues Schlachtfeld entdeckt: die Terminierungsentgelte

24. Mai 2005, 13:36
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Streit um "Handymaut" und 180 Millionen Euro pro Jahr - Bald könnten auch EU-Gerichte in den Streit einbezogen werden

Die Sache klingt so sperrig, wie sie ist: Terminierungsentgelte. Kunden haben damit glücklicherweise nur indirekt zu tun. Und dennoch können diese Entgelte über die Gewinn- und damit auch über die Machtverhältnisse am heimischen Markt entscheiden. Ob es einen kleineren Betreiber in ein paar Jahren noch gibt oder nicht, könnte unter anderem von diesen Terminierungsentgelten abhängen.

Ruf an

Ruft beispielsweise ein Kunde von A1 einen Kunden von T-Mobile an, muss er von A1 zu T-Mobile vermittelt werden und benutzt dann, um den T-Mobile-Kunden zu erreichen, das T-Mobile-Netz. Dafür muss A1 dann an T-Mobile eine Gebühr bezahlen, derzeit sind das 13,18 Cent pro Minute. Diese Gebühr ist das Terminierungsentgelt. Ruft der A1-Kunde jedoch einen Telering-Kunden an, muss A1 13,80 Cent pro Minute zahlen, und zu "3" sind es sogar 19,62 Cent.

"3" kostet eine Minute Terminierung nach eigenen Angaben rund 40 Cent, A1 hingegen deutlich unter zehn Cent

Diese unterschiedlichen Terminierungsgebühren werden vom Regulator mit den unterschiedlichen Zeitpunkten für den Markteintritt begründet. Dazu kommt, dass durch die unterschiedlichen Kundenzahlen die Netze unterschiedlich effizient genutzt werden können. "3" kostet eine Minute Terminierung nach eigenen Angaben rund 40 Cent, A1 hingegen deutlich unter zehn Cent, meint "3"-Chef Berthold Thoma. A1 profitiere hier eindeutig vom Markteintritt als Monopolist.

A1 bekommt derzeit 10,86 Cent pro Minute, "3" als jüngster Marktteilnehmer 19,62 Cent. Bis zum Jahr 2011 sollen nach den Plänen des Regulators die Gebühren schrittweise vereinheitlicht werden.

Der Weg

Nicht die Vereinheitlichung selbst, sondern der "Weg dorthin" löst nun Klagen aus. Berthold Thoma: "Die EU verbietet, dass die Handynetzbetreiber mit den Terminierungsgebühren Gewinne machen. Doch gerade durch sie verdienen etwa A1 oder T-Mobile gewaltige Summen." Nach den Berechnungen von "3" – basierend auch Marktanteilszahlen des Regulators – strich A1 so 2004 ein "Körberlgeld" von mehr als 70 Millionen ein, insgesamt sind es bei allen Betreibern rund 180 Millionen.

A1 wiederum argumentiert, dass es eine Marktverzerrung wäre, wenn die anderen Marktteilnehmer noch längere Zeit höhere Gebühren kassieren könnten.

"Übergewinne"

"3" plant, bis zum Europäischen Gerichtshof zu gehen, sollte der Regulator nichts gegen die so genannten "Übergewinne" tun. "Das ist zusätzliches Geld, welches in Marketingmaßnahmen gesteckt werden kann und so verhindert, dass kleine Betreiber wachsen können. Die Gleichbehandlung ab 2011 gehe davon aus, dass die fünf Netzbetreiber jeweils 20 Prozent Marktanteil hätten. "Dass das erreicht werden kann, wird aber durch die Praxis der Übergewinne verhindert."

"Keine Veranlassung, von dieser Position abzugehen"

Dass die Mobilkom als Telekom-Tochter bei der Definition der Rahmenbedingungen bevorzugt werde, will Thoma – mit einem süffisanten Lächeln – nicht sagen. Die Regulierungsbehörden hätten "ihre Haltung im Positionspapier dargelegt, begründet und veröffentlicht". Derzeit bestehe "keine Veranlassung, von dieser Position abzugehen", erklärte RTR-Sprecherin Daniela Andreasch.(Michael Moravec, DER STANDARD Printausgabe 26.04. 2005)

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