Verhandlungen über Stromlösung gehen nun doch weiter

2. Mai 2005, 11:51
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Verbund-Aufsichtsratsspitze setzt Vorstand unter Druck - Schaschl: Für Verbund beste Lösung wichtig - Interne Differenzen über Informationspolitik

Wien - Die österreichische Stromlösung (ÖSL), also die geplante Teilfusion des Verbund mit den regionalen Versorgern von Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und dem Burgenland dürfte doch noch nicht tot sein.

Laut "Kurier" (Dienstagausgabe) hat die Aufsichtsratsspitze des Verbund den Vorstand "zurückgepfiffen". "Das Aufsichtsratspräsidium trägt die Vorgangsweise des Vorstands nicht mit", erklärte Aufsichtsrats-Vize-Präsident Gilbert Frizberg gegenüber der Tageszeitung.

Er halte die Vorgangsweise des Vorstandes für "nicht akzeptabel", wird Frizberg, er mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Erhard Schaschl und Maximilian Eiselsberg das Präsidium des Verbund-Aufsichtsrats bildet, zitiert.

Weitere Gutachten

Es werde weitere Gutachten geben, bestätigte auch Schaschl am Montagabend gegenüber der APA. "Wichtig ist, dass für die Gesellschaft die beste Lösung gefunden wird. Wir brauchen in aller Ruhe eine richtige Entscheidung", betonte Schaschl. Er bestätigte, dass es von der Vorgangsweise her unterschiedliche Auffassungen zwischen Vorstand und Präsidium gegeben habe.

Das Präsidium sei eher der Meinung gewesen, nicht sofort über die Entscheidung zu informieren, der Vorstand habe aber auf seine aktienrechtliche Verantwortung und die Kursrelevanz hingewiesen. Dass die Entscheidung des Vorstandes richtig gewesen sei, zeige die "Super-Performance" der Verbund-Aktie.

"Die ÖSL in dieser Form wird es nicht geben", bekräftigte Verbundsprecher Gerald Schulze am Montagabend gegenüber der APA. Es gebe aber weiter Gespräche, in denen der Verbund-Vorstand seine Vorstellungen über eine Kooperation darlege.

"Für sinnvolle Kooperationen offen"

"Wir sind für sinnvolle Kooperationen offen, sie müssen aber wettbewerbsfähig sein und es müssen Synergien für den Verbund herauskommen", so der Verbund-Sprecher, denn der Verbund-Vorstand sei angetreten, "das Optimum für das Unternehmen zu machen".

Wie Schulze weiter ausführte, habe der Verbund-Vorstand am Freitag in seiner aktienrechtlichen Verantwortung gehandelt und über unternehmensrelevante Dinge sofort informiert und auch dem Präsidium mitgeteilt.

Dieses sei in der Sache inhaltlich mit dem Vorstand einer Meinung gewesen, dass es nach dem Studienergebnis die ÖSL in dieser Form nicht geben könne. Auch Schulze bestätigt, dass es über die zeitlich Abfolge der Veröffentlichung der Studienergebnisse Differenzen gegeben habe.

Haider legt Schäuflein nach

Laut "Kurier" legte Verbund-Vorstandschef Hans Haider am Montag ein Schäuflein nach und meinte, die Sache sei eine Angelegenheit des Vorstands. Das Führungsgremium könne die österreichische Stromlösung auch ohne Zustimmung des Aufsichtsrats stornieren. Man habe die Entscheidung, die auf einer Studie der Beratungsgruppe Booz Allen Hamilton basiert, dem Präsidium "lediglich zur Kenntnis gebracht".

Der Vorstand solle seine Pläne am Donnerstag dieser Woche bei der nächsten Verhandlungsrunde mit der Energie Allianz präzisieren. Wenn sich herausgestellt habe, dass die erhofften Synergien nicht realisierbar seien, dann müsse man die Verträge eben adaptieren und nicht wieder bei Null beginnen. Allerdings sei der Deal in seiner ursprünglichen Form kartellrechtlich genehmigt, jede Veränderung müsste neuerlich von den Wettbewerbshütern überprüft werden. (APA)

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