Raiffeisen treibt Bullen an die Börse

9. Mai 2005, 14:08
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Raiffeisen International ging am ersten Handelstag bei 41,39 Euro aus dem Handel - Größte Emission der Börsengeschichte

Wien - Die Börseneinführung der Raiffeisen International (RI) ist gelungen. Montagfrüh wurde die Aktie der Osteuropa-Bank des Raiffeisensektors zum ersten Mal an der Wiener Börse gehandelt.

Der Jungfernkurs des Papiers (Ausgabepreis: 32,50 Euro) lag bei 39 Euro. Bereits eine halbe Stunde nach der Erstnotiz überschritt der Kurs erstmals die 40-Euro-Grenze. Den ersten Handelstag beendete die Aktie schließlich mit 41,39 Euro.

Zum Start hatten die Wiener Börse und ihr jüngster Kunde zur Pressekonferenz ins Börsen-Palais Caprara-Geymüller geladen. Aufgeblasenerweise mitgekommen und im Foyer aufgestellt war, natürlich, der allgegenwärtige Werbeträger, der gelbe Bulle. Für ihn, der offensichtlich ein Ochse ist, werden derzeit übrigens Name und Möglichkeiten für eine Weiterverwendung gesucht.

Erfreuter Börse-Vorstand

Börse-Vorstand Michael Buhl war von der Kursentwicklung angetan: "So etwas haben wir schon lange nicht mehr gesehen." Dem RI-Vorstandschef, Herbert Stepic, standen Erleichterung und Freude ins Gesicht geschrieben. Er übe sich aber darin, "modest zu bleiben", wie er mehrfach betonte.

Deswegen wohl erschien ihm auch der Erstkurs als recht hoch, "wer weit oben ist, kann auch tief fallen". Langfristig wolle er zwar "steigende Kurse, die den Unternehmenswert widerspiegeln, aber keinen abgehobenen Börsenkurs. Wir wollen auf dem Boden bleiben."

Rekordemission

Ein paar Zentimeter über demselben schwebte Börse- Vorstand Stefan Zapotocky. Er sprach von einer "gewaltigen Transaktion, mit der die RI dem Markt neuen Glanz verleiht". Tatsächlich liefert der dritte Börsengang dieses Jahres einige Rekorde: Insgesamt werden mehr als 34 Mio. Aktien verkauft, das Emissionsvolumen liegt bei 1,1 Mrd. Euro.

Das ist die größte Emission in der Geschichte der Wiener Börse. Die Aktien waren gefragt wie warme Semmeln: Die Emission war 22fach überzeichnet. Mehr als 50 Prozent wurden in Österreich platziert, mehr als ein Drittel landete in den Depots Privater.

Einen Rekord stellt auch die Nachfrage der institutionellen Anleger dar: 96 Prozent aller Interessierten haben tatsächlich gezeichnet. Rund drei Viertel der Aktien der Institutionellen landeten in Europa, 15 Prozent in den USA.

Diese Verteilung hätte freilich auch völlig anders ausschauen können, erzählte Stepic, während er für die Fotografen die Börseglocke läutete und am Sekt nippte. Vier bis fünf Investoren habe es gegeben, die "die gesamte Emission in einem Schluck inhalieren wollten."

"So ein Netz kann man nicht kaufen oder aufbauen"

Den Erfolg der Emission erklärte Stepic übrigens mit dem Nicht-Wiederbeschaffungswert: "Es ist allen klar, dass man so ein Netz nicht kaufen oder aufbauen kann." Die RI, jetzt noch zu rund 70 Prozent im Eigentum der RZB, ist in 15 Ländern tätig. 2004 hat sie mit 23.000 Mitarbeitern einen Gewinn von 342 Mio. Euro gemacht.

Das hereingesprudelte Geld - 577 Mio. fließen direkt in die RI - soll in die weitere Expansion gesteckt werden. Mitte Mai will Stepic entscheiden, ob er die ukrainische Bank Aval kauft; dank Börsenöffentlichkeit sei das sein "erster Kauf in der Auslage: Alle schauen mir beim Probieren zu."

Auf die Frage nach weiteren Zukäufen zeigte sich der Manager aufgeweckt: "Wir haben unsere Augen immer offen. Sogar beim Schlafen." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.04.2005)

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    RI-Chef Herbert Stepic läutet den Handel mit der neuen Ostbanken-Aktie ein.

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