Penibles Tüfteln am Idealbeispiel einer Kartause

2. Mai 2005, 17:04
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Ein historisches Juwel vor den Toren Wiens: Die Kartause Mauerbach wird nach und nach saniert – und dient dabei gleichzeitig als Lehrwerkstätte für Restauratoren und der Erhaltung alter Handwerkskünste.

Wien – Sie sind penible Tüftler bis ins kleinste Detail – und damit haben sie sich einen internationalen Ruf gemacht. Wenn es etwa um historischen Kalkputz geht, macht den Experten der Kartause Mauerbach so schnell niemand etwas vor. „Wenn ich mir diese Wand hier anschaue, weiß ich, dass ein Linkshänder den Verputz geworfen hat“, erläutert Lorenz Tributsch. „Und weiter drüben ist eine Mauer, da weiß ich inzwischen, dass 1683 ein Maurer mit sehr viel Angst gearbeitet hat. Wegen großer Hitze hatte der übervorsichtig zu viel Kalk beigemischt – das gab einen Schaden, deich sonst nur noch einmal gesehen habe. Auf der Burg Hochosterwitz.“

 

Glückliche Fügung

Dass sich Restauratoren am Objekt derart intensiv und mit genügend Zeit in die Materie vertiefen können, verdanken sie einer glücklichen Fügung. Denn Ende der 70er Jahre war das prachtvolle Ensemble vor den Toren Wiens ziemlich am Ende. Über Jahrhunderte hinweg war es als Siechenheim geführt worden, im Zweiten Weltkrieg als Lazarett und als Lager von Restitutionsgütern, oder später wieder als Obdachlosenheim – dann war die Kartause 20 Jahre lang dem Verfall preisgegeben.

Bis das Bundesdenkmalamt kurzerhand eine eigene Abteilung in die Kartause setzte: Jene für historisches Handwerk – mittlerweile „Restaurierwerkstätten Bundesdenkmalpflege“ genannt. „Das heißt, dass wir die Kartause jetzt schrittweise als Idealbeispiel restaurieren können“, erläutert die derzeitige Abteilungsleiterin Astrid Huber. Wobei immer wieder zu einzelnen Techniken Forschungsprojekte durchgeführt werden – oder auch Arbeiten im Rahmen der Ausbildung für Fachleute durchgeführt werden. „Diesen Teil der Kartause hier wollte uns die die Burghauptmannschaft fix fertig sanieren“, erläutert Huber bei einem Rundgang. „Da hab ich gleich gesagt: nein, bitte nicht: Das brauchen wir noch für unsere Kurse.“

Restaurierung und Hypothese

Wobei die Denkmalschützer hier nach dem Grundsatz vorgehen: „Wir sind nicht dazu da, um den Menschen etwas vorzumachen, was nicht mehr ist“, so Tributsch. Und: „Restaurierung endet dort, wo die Hypothese beginnt“, zitiert Huber einen Grundsatz der Denkmalschützer. Wenn also im Bereich der Laienkirche Engelsköpfe fehlen, werden die nicht einfach nachgemacht. „Denn jeder einzelne hatte einen anderen Ausdruck – da weiß man nicht mehr, welcher wo warum gestaltet wurde“, betont Tributsch. Auch sieht man in einem Eck noch genau, was hier früher einmal war: Zwei Zwischendecken, die eingezogen wurden, um in den schlimmsten Zeiten bis zu 800 „Sieche“ unterzubringen.

Ein paar der ehemaligen Mönchszellen wurden nun in Werkstätten verwandelt, wo die Meisterschaften der alten Handwerkskunst erhalten oder wiederbelebt werden. Wie etwa die Schulschmie de im Keller einer Zelle, wo Fachleute bei Walfred Huber erst einmal lernen, ihr eigenes Werkzeug herzustellen – dann wird ihnen beigebracht, wann welche Techniken mit welchen Materialien angewandt wurden. Oder darüber die Ziselier-Werkstatt. Hier wird einerseits vermittelt, wie Metal le historisch korrekt getrieben werden – und die Produkte kommen dann gleich nebenan zum Einsatz. Etwa als Fensterbeschläge im restaurierten Refektorium. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD – Printausgabe, 26.04.2005)

  • Artikelbild
    bild: bundesdenkmalamt
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