"Schwarzer Rauch" in Teheran

2. Mai 2005, 08:23
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Gerangel um die Präsidentschaftskandidatur – Warten auf Rafsandjani - Wahlen am 17. Juni

Noch immer haben sich die Konservativen im Iran nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen am 17. Juni geeinigt, aber zumindest ein Teil der konservativen Einheitsfront hat am Wochenende den ehemaligen Chef des iranischen Radios und Fernsehens, Ali Larijani, offiziell als ihren Mann vorgestellt.

In einer Sitzung versuchte daraufhin der konservative Parlamentspräsident Gholam Ali Haddad-Adel diese Entscheidung als "nur ein Vorschlag" herunterzuspielen. Auf die Frage, wer denn für die Konservativen zur Wahl antrete, meinte er in Anspielung auf die Papstwahl: "Aus dem Schornstein der Konservativen kommt immer noch schwarzer Rauch." Auch Haddad-Adel selbst gilt ja als möglicher Kandidat.

Zum Vorstoß des Larijani-Lagers kamen auch von anderen potenziellen Kandidaten – vom ehemaligen Außenminister Ali Akbar Velayati bis zu Expolizeichef Mohamed Bagher Ghalibaf – abfällige Bemerkungen. In Wahrheit wartet alles darauf, dass sich endlich Expräsident Ali Akbar Hashemi Rafsandjani deklariert; das soll in den nächsten Tagen geschehen.

Ebbe bei Reformern

Bei den Liberalen herrscht noch immer Lähmung, dort gilt der ehemalige Parlamentspräsident Mehdi Karrubi als Favorit – aber nur, weil jeder damit rechnet, dass der von den jungen Reformern unterstützte ehemalige Wissen 3. Spalte schaftsminister Akbar Moin beim Wächterrat, der über die Kandidaturen entscheiden muss, durchfallen wird.

Nach neuesten Umfragen des Innenministeriums werden bei der jetzigen Kandidatenkonstellation höchstens 41 Prozent an den Wahlen teilnehmen. Bei dieser Umfrage, die unter Verschluss gehalten wird, sind weniger als 20 Prozent der Jugendlichen bereit zu wählen. In Anbetracht dieser und ähnlicher Umfragen, die alle eine niedrige Wahlbeteiligung voraussagen, hat die konservative Zeitung Keyhan in einer Umkehr zu ihrer früheren Einstellung an den Wächterrat appelliert, bei der Überprüfung der Kandidaten nicht sehr strenge Maßstäbe anzusetzen. Am 10. Mai läuft die Anmeldefrist für die Kandidaten ab. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.4.2005)

Von Amir Loghmany aus Teheran
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    Der erste Präsidentschaftskandidat an der konservativen Front, der frühere TV-Direktor Ali Larijani, stellte sich am Sonntag den Medien.

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