Asfinag gründet Auslandstochter

2. Mai 2005, 11:33
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Entscheidung über Klage gegen Autostrade nächste Woche - Sprecher bestätigt Abbruch des Schlichtungsverfahren im Streit um Übernahme der österreichischen Mautgesellschaft Europpass

Wien - Die österreichische Autobahngesellschaft Asfinag hat eine neue Auslandstochter gegründet. Die Firma heißt "Asfinag Verkehrsinfrastruktur Beratungs- und Beteiligungs-GmbH" und ist bereits vergangene Woche im Firmenbuch eingetragen worden, erklärte Asfinag-Sprecher Marc Zimmermann am Montag auf APA-Anfrage.

Die Asfinag will sich mit der neuen Tochter künftig in Zusammenarbeit mit Baufirmen, Banken und Technologieunternehmen im Ausland um die Errichtung und den Betrieb von Mautsystemen bewerben. Sowohl Beteiligungen in Joint Ventures, als auch lose Kooperationen in Konsortien schließt die österreichische Autobahngesellschaft nicht aus.

Engagement auch in Westeuropa möglich

Als nächstes Land wird voraussichtlich Ungarn ein Lkw-Mautsystem ausschreiben. In Tschechien war die Ausschreibung bereits auf Schiene, nach der Regierungskrise und dem Rücktritt des Premiers Stanislav Gross wird sich die Mauteinführung aber um mindestens ein Jahr verzögern. Die Asfinag will sich gegebenenfalls aber auch in Westeuropa engagieren. "Wir werden jede Ausschreibung genau prüfen", so Zimmermann.

Auch in Österreich will die Asfinag, wie berichtet, das Lkw-Mautsystem künftig zur Gänze selbst betreiben. Der Streit mit dem ursprünglich beauftragten Betreiber, der italienischen Autostrade, um dessen österreichische Mautgesellschaft Europpass ist allerdings in der vergangenen Woche eskaliert. Mehrmonatige Verhandlungen sind vergangenen Mittwoch ohne Erfolg abgebrochen worden, bestätigte Zimmermann am Montag einen entsprechenden Bericht der "Presse" vom Wochenende. Bis nächste Woche will die Asfinag jetzt über eine Klage gegen die Autostrade entscheiden. "Wir prüfen mit unseren Rechtsanwälten, ob wir vor das Handelsgericht Wien gehen", so Zimmermann.

Bei Vergabe des Lkw-Maut-Projekts an die Autostrade im Jahr 2002 hatte die Asfinag die Tochter Europpass mit der Errichtung und dem Betrieb des österreichischen Lkw-Maut-Systems über zehn Jahre beauftragt. Schon im Betreibervertrag hatte sich die Asfinag aber ihrer Ansicht nach eine Option gesichert, die der Autobahngesellschaft von einer Minderheitsbeteiligung an Europpass bis zur Komplettübernahme alle Möglichkeiten offen legt.

Rechtsstreit möglich

Anfang Dezember hatte Asfinag-Aufsichtsratschef Johann Quendler bereits erklärt, dass die Asfinag die Kaufoption bereits gezogen habe, um Synergien im Unternehmen zu nützen, wie es hieß. Kolportiert wurde damals ein Kaufpreis von rund 200 Mio. Euro, zuzüglich der vorgezogenen Betreibervergütung - für alle zehn Jahre 747 Mio. Euro. Der Autostrade soll das aber zu wenig gewesen sein. Außerdem hatte sie im Laufe des folgenden Streitverfahrens immer wieder öffentlich deutlich gemacht, ihre Europpass-Anteile nicht verkaufen zu wollen.

Die Asfinag sieht den Streit gelassen. Die Europpass sei lediglich ein Mautabwickler. In ihrer geplanten Auslandsexpansion würde die Asfinag durch einen jetzt möglichen Rechtsstreit nicht behindert, dementiert Zimmermann entsprechende Einwände der Italiener. (APA)

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