"Supervulkan" ist längst fällig

2. Mai 2005, 13:18
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Im Yellowstone Park bricht ein Riesenvulkan aus und bringt Asche und Eiszeit: ein im Film vorgespieltes Schreckensszenario, wie es Wissenschaftler aber tatsächlich für möglich halten

Als hätte die Lokalreporterin nicht dreimal nachgefragt: Ist es möglich, dass die kleineren Erdbeben unlängst im Yellowstone National Park nur Vorzeichen, Warnsignale sind? Für eine viel größere Katastrophe, nämlich den Ausbruch eines "Supervulkans"? Die Wissenschafter wiegeln ab, bis es eines Tages so weit ist: Die erste riesige Explosion seit 74.000 Jahren wird das Angesicht der Erde für lange Zeit verändern.

Ein Dokudrama der britischen BBC stellt das Schreckensszenario penibel vor, im deutschsprachigen Fernsehen zu sehen am 28. April auf Pro Sieben. Eine eigens von der BBC in Auftrag gegebene Studie zeigt die globalen Folgen. Die Ergebnisse erwiesen sich als so relevant, dass sich die zuständige US-Behörde für Katastrophenschutz zum ersten Mal ernsthaft mit dem Thema beschäftigte. Der Supervulkan im Yellowstone Park erstreckt sich über ein Areal von 45 mal 80 Kilometern und wird seither verstärkt auf diese Anzeichen hin überwacht. Was im Fernsehen für spektakuläre Bilder sorgt, könnte sich also tatsächlich ereignen.

Supervulkane gab es in der Geschichte der Erde mehrfach. In den vergangenen zwei Millionen Jahren kam es im Yellowstone Park etwa alle 600.000 Jahre zu solchen Ausbrüchen. Die letzte Eruption liegt bereits 630.000 Jahre zurück, demnach ist die Katastrophe längst überfällig.

Die Ereignisse treffen die Bevölkerung im Film völlig unvorbereitet. "Jederzeit", könne sich dergleichen auch in Wirklichkeit ereignen, meint Christian Köberl vom Institut für geologische Wissenschaften der Universität Wien.

Ein Ausbruch hätte die Gewalt von 1000 Hiroshima-Bomben pro Sekunde, ließ die BBC errechnen. Der Himmel würde sich durch die Aschewolken verdunkeln, geschätzte zwei Milliarden Tonnen Schwefelsäure in der Stratosphäre bedeuteten eine vulkanische Eiszeit. Eine Milliarde Menschen könnte an den direkten und indirekten Folgen sterben.

Klimakatastrophe

Die würden am ehesten Weltklima und Landwirtschaft treffen, erklärt Köberl: "Durch den Ascheregen käme es regional über Jahre hinweg zu einer Abkühlung um rund 15 Grad, global - auch in Europa - zwischen drei und fünf Grad." Auswirkungen für die Weltwirtschaft seien unabsehbar. Am schlimmsten treffen würde es die ärmsten Länder.

Vorsichtsmaßnahmen seien nur bedingt möglich. Allein der Ausbruch des Yellowstone-Supervulkans bedürfte der Evakuierung von 13 Mio. Menschen. Im Film kommt es zu Panikreaktionen, Hamsterkäufen, Plünderungen. "Falls die Vulkanausbruch-Vorhersage funktioniert, könnten zeitgerecht die Evakuierungsmaßnahmen im Nahbereich getroffen werden", meint Gerald Duma von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien. "Bezieht sich die Vorhersage auf Wochen und Monate, wie in Zukunft wohl zu erwarten ist, wird die Panikstimmung klein gehalten werden."

Dass dergleichen unmittelbar bevorsteht, glaubt der Seismologe freilich nicht. "Angesichts der geologischen Zeiträume, in denen sich derartige Vulkanausbrüche ereignen, kann das Risiko für so ein Ereignis praktisch mit null angesetzt werden."

Und wenn doch? Bedeutete der Ausbruch eines Supervulkans das Ende der Welt? Mitnichten, meint Köberl: "Es gibt sie seit 4,5 Milliarden Jahren. Ob da Menschen herumrennen oder nicht, kratzt die Welt überhaupt nicht." (Doris Priesching/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. 4. 2005)
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    Bricht ein Supervulkan aus, würde sich der Himmel durch riesige Aschewolken verdunkeln

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