BIP wuchs 2004 dank Export um zwei Prozent

2. Mai 2005, 12:11
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Wifo: Anstieg der Arbeitslosenrate gestoppt, aber kein Rückgang - Investitionsnachfrage stieg merklich an

Wien - Nach drei Jahren der Schwäche hat die österreichische Konjunktur im Jahr 2004 wieder zugelegt. Dank der guten Auslandsnachfrage wuchs das BIP um zwei Prozent gegenüber 0,5 Prozent des Vorjahres, teilte das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) am Montag in einer Aussendung mit. Die Binnennachfrage entwickelte sich trotz "deutlicher Erholungstendenzen" jedoch verhalten. Die Beschäftigung konnte zwar gesteigert werden, die Arbeitslosigkeit blieb aber weiterhin hoch, hieß es.

Übersee als Wachstumsmotor

Wachstumsmotor in ganz Europa sei die starke Konjunktur in Übersee, während die Binnennachfrage "deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb". Der heimische Warenexport stieg real um zwölf Prozent. Obwohl die Wechselkurssituation gegenüber dem Dollar für heimische Exporteure ungünstig war, lösten die USA die Schweiz - nach Deutschland und Italien - als drittwichtigsten österreichschen Exportmarkt ab. Die Exportwirtschaft verbesserte ihre Position auf den Auslandsmärkten, auch begünstigt durch einen weiteren Rückgang der relativen Lohnstückkosten, betonte das Institut.

Trotz einer ähnlich starken Exportdynamik wie im Jahr 2000 blieb das Wirtschaftswachstum aber deutlich hinter der entsprechenden Rate vor fünf Jahren von 3,4 Prozent zurück. Dies war in erster Linie auf die Schwäche der Konsumnachfrage der privaten Haushalte (plus 1,5 Prozent) zurückzuführen, erklärte das Wifo. Wegen der Beschleunigung des Preisauftriebs stagnierten die Effektivverdienste, und die Sparquote stieg abermals leicht. Deshalb konnte sich laut Wirtschaftsforscher die konjunkturstabilisierende Wirkung des privaten Konsums kaum entfalten.

Investitionen hoch im Kurs

Die Investitionsnachfrage belebte sich 2004 hingegen merklich. Dafür waren einerseits die Konjunkturerholung und andererseits das Auslaufen der Investitionszuwachsprämie zum Jahresende maßgebend. Besonders groß war die Nachfrage nach Ausrüstungsinvestitionen (plus 6,3 Prozent) und hier vor allem nach Fahrzeugen. Die Bauinvestitionen wurden nach der bereits 2003 kräftigen Expansion 2004 nur leicht ausgeweitet (real plus 1,1 Prozent). Im Wohnbau trat nach dem Rückgang in den Vorjahren mit einer Steigerung um 0,5 Prozent eine Trendwende ein. Die Nachfrage nach Nichtwohnbauten wuchs mit real plus 1,4 Prozent hingegen deutlich langsamer als zuletzt.

Die ständigen Erhöhungen der Rohölnotierungen und die Anhebung der Wohnungsmieten beendeten den seit einigen Jahren sinkenden Trend der österreichischen Inflationsrate. Nach einem allgemeinen Preisanstieg von 1,3 Prozent im Jahr 2003 erhöhte sich der nationale Verbraucherpreisindex 2004 um 2,1 Prozent. Seit Jahresbeginn 2004 beschleunigte sich der Preisauftrieb kontinuierlich. Österreich lag mit einem Anstieg des harmonisierten Verbraucherpreisindex von zwei Prozent nur knapp unter dem Durchschnitt des Euro-Raums von plus 2,1 Prozent.

Höheres Arbeitsplatzangebot

Der Arbeitsmarkt reagierte in Österreich bereits gegen Jahresende 2004 auf die Konjunkturerholung, die Zahl der unselbstständig aktiv Beschäftigten erhöhte sich im Jahresdurchschnitt um 21.000 - plus 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, so die Wirtschaftsforscher. Die Ausweitung konzentrierte sich auf unternehmensnahe Dienstleistungen sowie Gesundheit und Pflege. Wie in der Vergangenheit ging mit der Belebung der Wirtschaft ein höheres Arbeitsplatzangebot einher. Damit wurde zwar der Anstieg der Arbeitslosenquote gestoppt, aber kein Rückgang erzielt, so das Resümee des Wifo.

Die Investitionsnachfrage gewann EU-weit zwar an Dynamik, jedoch nicht im Tempo vergangener Aufschwungphasen. Trotz der guten Ertragslage seien die Firmen bei Investitionen und Neubeschäftigungen noch vorsichtig, so das Wifo. Schwach entwickelte sich - vor allem in Deutschland - der Konsum der privaten Haushalte. Im Gegensatz zur Notenbank der USA ließ die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins während des gesamten Jahres unverändert. (APA)

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