Hutchison klagt Konkurrenten auf Gebührensenkung

26. April 2005, 11:13
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Nummer Fünf am heimischen Handymarkt wirft Konkurrenten 182 Millionen Euro EU-widrige "Übergewinne" bei Leitungsmauten vor

Der fünftgrößte heimische Handynetzbetreiber Hutchison ("3") hat einen neuen Streit über die Leitungsmauten (so genannte Terminierungsentgelte) im Mobilfunk entfacht. Gemessen an den EU-Vorgaben seien die Mauten um etwa 4 Cent zu hoch. Dabei gehe es für die vier großen Anbieter Mobilkom, T-Mobile, One und tele.ring um einen "Übergewinn" von in Summe 182 Mio. Euro. Hutchison hat nun eine Beschwerde bei der Telekom-Regulierungsbehörde eingebracht. Damit sollen vor allem die großen Mobilfunkbetreiber zu einer Senkung der Mauten gedrängt werden.

Notfalls bis zur EU

Notfalls werde man bis zur EU gehen, sagte Hutchison Austria-Chef Berthold Thoma vor Journalisten. Vor allem Gespräche vom Festnetz ins Mobilfunknetz würden dadurch nach Meinung von Hutchison deutlich billiger werden. Daher erwartet Thoma, dass sich – abgesehen von der Telekom Austria – auch die heimischen Festnetzbetreiber der Klage anschließen werden. Eine Entscheidung wird für Ende August erwartet.

Zu hohe Rechnungen

Nach den Vorgaben der EU und der österreichischen Regulierungsbehörde dürfen die Mobilfunkbetreiber seit dem Vorjahr anderen Telekom-Unternehmen für eine Vermittlung eines Gesprächs in ihr Netz nur noch die damit verbundenen Kosten weiterverrechnen. Allein die Mobilkom verlange jedoch nach Rechnung von Hutchison um 3,9 Cent zu viel. In Summe würde das für die Mobilkom alleine heuer 76 Mio. Euro an Mehreinnahmen bedeuten.

Wettbewerbsverzerrung

Das Problem seien dabei nicht die überhöhten Beträge, die die Mobilkom Hutchison in Rechnung stelle. Vielmehr entstünde durch die Mehreinnahmen eine Wettbewerbsverzerrung, weil die Mobilkom die 76 Mio. Euro für teure Marketingmaßnahmen oder die Stützung von Endgeräten nützen könne. "Das ist genug Geld, dass die Mobilkom jedem ihrer Kunden einmal im Jahr ein neues Handy im Wert von 75 Euro schenken kann. Damit kann sich die Mobilkom ihren Marktanteil auf Jahre sichern", kritisierte Thoma.

Terminierungsentgelte

Auch der Telekom-Regulator hat laut Hutchison bereits im Vorjahr festgestellt, dass durch die überhöhten Terminierungsentgelte der Wettbewerb verzerrt werde. Mit dem Anfang März präsentierten Empfehlungsmodell, das eine schrittweise Absenkung und Vereinheitlichung der Entgelte ab 1. November bis Ende 2011 vorsieht, habe der Regulator dieser Erkenntnis aber nicht Rechnung getragen. "Im Gegenteil: Das Thema ist vom Regulator unter den Tisch gekehrt worden. Der Favorit (gemeint ist die Mobilkom, Anm.) ist dabei, an Boden zu verlieren, und deshalb hat man jetzt die Spielregeln geändert", wetterte Thoma in Richtung der Telekom-Regulierungsbehörde RTR.

Gegenvorwurf

Gegenvorwurf der Mobilkom: Das Modell bevorzuge eigentlich die kleinen Betreiber, weil tele.ring und Hutchison pro Anruf derzeit bei gleicher Leistung beinahe doppelt so viel Maut kassieren würden, wie sie an die Mobilkom zahlen müssten. Die Mobilkom hatte eine rasche Angleichung der Terminierungsentgelte verlangt. Der Regulator habe mit seinem Modell diese Subventionierung bis 2011 einzementiert, statt freien Wettbewerb zu ermöglichen. In den kommenden fünf Jahren werde die Mobilkom daher die anderen Mobilfunkbetreiber in Summe mit rund 180 Mio. Euro unterstützen müssen, so der Marktführer zuletzt.

Grundlage der Endkundentarife

Die Terminierungsentgelte gelten als Grundlage zur Berechnung der Endkundentarife. Weil die Gesprächsvermittlungskosten für die Handynetzbetreiber mit zunehmender Kundenzahl sinken, dürfen größere Telekom-Anbieter weniger verlangen als kleinere – von 10,86 Cent bei der Mobilkom bis zu 19,62 Cent bei Hutchison. Generell deutlich niedriger sind die Terminierungsentgelte im Festnetz. Weil die Festnetzanbieter diesen Unterschied ausgleichen müssen, sind Gespräche vom Festnetz zum Handy im Moment noch relativ teuer. Senkungen der Terminierungsentgelte im Mobilfunk würden sich daher hier besonders niederschlagen. In der Branche spricht man von einem potenziellen Preisnachlass von rund 10 Prozent.(APA)

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