Im Inneren von Sojabohne und Rotklee

2. Mai 2005, 13:18
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Pflanzenhormone als Nahrungsergänzung gegen Brust- und Prostatakrebs

Phytoöstrogene, mit denen Alois Jungbauer arbeitet, sind sekundäre Pflanzenschutzstoffe, die in über 300 Gewächsarten vorkommen. Lieferanten für Phytoöstrogene sind etwa Rotklee, Alfalfasprossen, Kleie oder Bohnen. Die wichtigste Quelle für die pflanzlichen Hormone ist allerdings die Sojabohne.

Phytoöstrogene wirken aufgrund der sehr ähnlichen chemischen Struktur wie das weibliche Sexualhormon 17ß-Östradiol. Indem die Botenstoffe bei Östrogenrezeptoren auf der Zelloberfläche andocken, werden Zellen zur Produktion bestimmter Proteine stimuliert.

Die Effizienz der pflanzlichen Hormone ist bis zu 10.000fach geringer als die von 17ß-Östradiol. Allerdings kann die Konzentration der Phytohormone durch die Aufnahme bestimmter Nahrungsmittel jene des Sexualhormons, das nur in Spuren produziert wird, um ein Vielfaches übersteigen. Konzentrierte Phytoöstrogenpräparate zur Nahrungsergänzung wurden Mitte der Neunzigerjahre populär, als Alternativen zur klassischen Hormonersatztherapie in der Menopause gefordert wurden. Durch den Abfall von Gestagen- und Östrogenspiegel kommt es im Wechsel zu Beschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüchen und Depressionen. Die Pflanzenhormone (überwiegend aus Soja oder Rotklee) federn den altersbedingten Rückgang der Hormonproduktion ab. Statistiken zeigen, dass in asiatischen Ländern, in denen viel Soja verzehrt wird, nicht nur Wechselbeschwerden, sondern auch Brust- und Prostatakrebs seltener auftreten als in westlichen Industrieländern.

Die Unterschiede im Auftreten von hormonabhängigen Tumoren erklärt man sich durch die Schutzwirkung, die reichlich und ein Leben lang mit der Nahrung verzehrte Phytoöstrogene ausüben. Ostasiaten nehmen täglich rund 50 Milligramm Phytoöstrogene mit der Nahrung auf, Mitteleuropäer nur ein Zehntel davon. (harl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. 4. 2005)
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