Verwickelte Heimatfragen

25. April 2005, 15:24
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Launige Immobilienhändel, Mafiöses, beamteter Grenzschutz und Reisen nach Nordost in der Reihe "Local Artists"

Wie im Vorjahr gibt das Festival im Rahmen von "Local Artists" auch dieses Jahr Raum für Arbeiten von RegisseurInnen aus bzw. in Oberösterreich.

Sabine Derflinger, im Vorjahr Mitglied der Wettbewerbsjury, zeigt ihren jüngsten TV-Spielfilm "Kleine Schwester": Hauptfigur ist die ehrgeizige junge Bundesgrenzschutzbeamtin Kathrin, die beim Dienst an der deutsch-tschechischen Grenze auf ihre jüngere Halbschwester Romy trifft, die in Neonazi-Kreisen verkehrt.

Andreas Gruber schafft in "Die Heimatkunde des Realitätenhändlers" ein überaus kurzweiliges Porträt des gewitzten ehemaligen Immobilienmaklers Karl Ignaz Hennetmair aus Ohlsdorf und seiner über ein Jahrzehnt währenden engen Freundschaft mit dem Wahlohlsdorfer Thomas Bernhard. Der sanguinische Hennetmair gibt beredet Einblick in die Beziehung zum launischen Schriftsteller, dem er mehrere Liegenschaften vermittelte, und eröffnet eine private Perspektive auf Bernhard, ohne die Intimsphäre des schwierigen Künstlers preiszugeben.

Zweiundzwanzig Stunden dauert die Reise mit dem Zug von Wien Südbahnhof nach Vilnius. Christine Eva Pramhas und Ulrike Ramsauer haben sie unternommen und im Rahmen ihrer Projektreihe "Different Trains to the East" auf Video festgehalten. Entstanden ist ein Film über das Reisen in Osteuropa und darüber, wie sich äußerliche, politische Veränderungen in private Leben einschreiben.

Johanna Tschautschers Dokumentarfilm "Niemand vermischt mit dem Nichts/Nobody Mixed with Nothingness" begleitet die Vernehmungen hochrangiger Mafia-Überläufer durch Anti-Mafia-Staatsanwalt Scarpinato, der in den 13 Jahren seiner Tätigkeit schwer bewacht und seines normalen Lebens verlustig gegangen mit dem "Fluch des Nichts" existieren muss. Staatsanwalt Scarpinato ist bei der Aufführung des Films am Samstag, 30. April um 20.30 Uhr im Moviemento persönlich anwesend.

Michael Palm macht sich in "Edgar G. Ulmer – Der Mann im Off/Edgar G. Ulmer – The Man in Hollywood" auf eine spannende Spurensuche nach dem ungekrönten König der B-Movies, dessen Arbeit ein Grenzgang zwischen Kunst und grellem Schund, gediegenem Hollywood-Filmhandwerk und reißerischem Trash war. Das Vorbild für Regisseure wie Martin Scorsese, Peter Bogdanovich oder die französische Nouvelle Vague erlitt ein klassisches Künstler-, Emigranten- und Außenseiterschicksal, dem Palm mit besonderem Interesse am Kultstatus Ulmers nachgeht.

Stefan Hafner und Alexander Binder suchen in "F.A.Q." Antworten auf die Frage, was Begriffe wie "Heimat", "Identität" und "Zugehörigkeit" eigentlich für Kärntner SlowenInnen bedeuten und untersuchen die unsichtbaren Grenzlinien zwischen "Deutschkärntnern" und der slowenischen Minderheit. (red)

  • Kraftvolles Schwestern-Melodram, verwoben mit einem  Diskurs zum Ethos des öffentlichen Dienstes: "Kleine Schwester" von Sabine Derflinger
    foto: crossing europe

    Kraftvolles Schwestern-Melodram, verwoben mit einem Diskurs zum Ethos des öffentlichen Dienstes: "Kleine Schwester" von Sabine Derflinger

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