Deutsch-slowenische Partnerschaft

25. April 2005, 15:19
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Ein Tribute ist den Filmen von Maja Weiss und Peter Braatz gewidmet, ein S.Y.P.H.-Konzert ist Zugabe

Das Tribute 2005 ist einem außergewöhnlichen und überaus produktiven Künstlerpaar gewidmet: Maja Weiss und Peter Braatz. Maja Weiss, geboren 1965 in Novo Mesto, absolvierte die Filmakademie in Ljubljana und war schon für mehrere Kurz- und Dokumentarfilme ausgezeichnet worden, bevor sie mit ihrem ersten (und bisher einzigen) abendfüllenden Spielfilm "Varuh meje/Guardian of the Frontier" (2002) auf der Berlinale 2002 mit dem Manfred Salzgeber Preis für den innovativsten Film ausgezeichnet wurde. "Varuh meje" ist zugleich der erste in weiblicher Regie entstandene Spielfilm der slowenischen Filmgeschichte. Ihr jüngster Kurzfilm "Child in Time" lief im Wettbewerb der heurigen Berlinale.

Peter Braatz, geboren 1959 in Solingen, studierte an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin und arbeitet seither als unabhängiger Produzent und Regisseur vor allem für seine eigene Taris Filmproduktion. Als zentrale Figur der frühen deutschen Punkszene gründete er unter dem bis heute benutzten Zweitnamen Harry Rag im Umfeld des Ratinger Hof die ebenso legendäre wie einflussreiche (Proto-)Punkband S.Y.P.H. ("Save Your Pretty Hearts"). Musik spielt bis heute auch in seinen filmischen Arbeiten eine große Rolle – so unter anderem bei Musikvideos für Bands wie Crime & The City Solution oder einen Konzertfilm über die Sex Pistols. 1985 wirkte Braatz an den Dreharbeiten zu "Blue Velvet" (David Lynch) und 1986 zu "Der Himmel über Berlin" (Wim Wenders) mit. Weiss und Braatz heiraten 1993 und leben mit zwei Kindern in Ljubljana.

Anders als berühmtere Paare der Filmgeschichte entstehen die meisten Arbeiten der beiden getrennt. Gemeinsam ist ihnen, dass in den meisten Fällen das Durchqueren, die Grenzüberschreitung im Zentrum ihrer filmischen Unternehmungen steht. Und zwar sowohl im physischen Sinn (ihren Visionen folgend überqueren sie immer wieder geografische Grenzen) wie auch im filmischen (häufig überschreiten sie die bestehenden Grenzen zwischen verschiedenen Filmgattungen und -genres, womit sie ihre eigenen, einmaligen Universen schaffen).

Sie gehören zu jenen ungewöhnlichen Filmschaffenden, die sich weigern, Filmemachen bloß als Geschichtenerzählen, alltägliche Arbeit, Hobby oder Mittel für Experimente zu betrachten, sondern es als nichts weniger als eine Lebensart verstehen: Eine bestimmte Art und Weise des Existierens in der Welt, wodurch die Kameralinse nicht nur zur stetigen Verlängerung des Blicks wird, sondern auch eine Grundlage für das Erfahren eben dieser Welt und das Nachdenken darüber. So ziehen sich durch ihre gesamten Filmarbeiten – ob in Fiktion, Dokumentation oder offen experimentellen Formen (die meisten Filme von Peter verwehren sich jeder Zuordnung und bleiben immer im Grenzbereich zwischen mindestens zwei bestehenden Kategorien) – zutiefst persönliche Zuneigung und Engagement.

Am Samstag, 30. April findet um 15.00 Uhr das von Jurij Meden und Werner Ruzicka moderiertes Werkstattgespräch "Filming as a Way of Life" mit Maja Weiss und Peter Braatz im Mediendeck des O.K statt. Harry Rag alias Peter Braatz gastiert am Freitag, 29. April um 22.00 Uhr mit S.Y.P.H. im Kulturzentrum Kapu. (red)

  • "Child in Time"
    foto: crossing europe

    "Child in Time"

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