Wildschweine, Schwerelosigkeit und wilde Nächte

25. April 2005, 15:05
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Raff- und Lebensgier, Versuche und Irrtümer von Dalmatien bis Nordengland: die Spielfilme im Panorama Europa

Mit "Ta divna splitska noc/A wonderful Night in Split" gewann Arsen Anton Ostojic (Kroatien) den Spezialpreis der Jury des FilmFestival Cottbus 2004. Das Partnerfestival von CROSSING EUROPE präsentiert den Film über eine turbulente und drogenreiche Silvesternacht an der dalmatinischen Küste.

Die Geburt von Wildschweinen: In jener zwischen Bahnlinie und Meer gelegenen Besserungsanstalt, die Schauplatz von Diego Olivares' (Italien) "I cinghiali di Portici/Wild Boars of Portici" ist, kommen zunächst leibhaftige Frischlinge zur Welt; dann formt der Anstaltsleiter aus seinen Schützlingen ein "Wildschweine" getauftes Rugby-Team, das vor leeren Tribünen gegen das gewohnheitsmäßige Verlieren anzukämpfen beginnt.

In "Marseille" (Angela Schanelec, Deutschland) erlebt eine junge Deutsche an der Seite einer Zufallsbekanntschaft in der franzöischen Hafenmetropole einen Abend der Schwerelosigkeit, die nach der Heimkehr in den Berliner Alltag schlagartig den einengenden Verhältnissen zuhause weichen muss.

Im ländlichen Yorkshire findet das ungleiche Mädchenpaar Mona und Tamsin in "My Summer of Love" von Pawel Pawlikowski (Großbritannien) zueinander, das sich mit Erzählungen von den kleinkriminellen Taten des Bruders (Mona) bzw. Philosophie und Musik (Tamsin) wechselseitig neue Lebenswelten eröffnet und gemeinsam wegzugehen beschließt.

Mit anarchischem Gestus erzählt "The Plague" von Greg Hall (Großbritannien) von ein paar Freunden in London, die gemeinsam ihre Tage verbringen und zwischen Party, Drogen, Freundin und Musik ihre Pläne verwirklichen und dabei auch das eine oder andere Problem durchzustehen haben.

Edgar Wright (Großbritannien) hat mit "Shaun of the Dead" einen humorvoll-ironischen Splatterfilm geschaffen: Shaun, ein planloser Endzwanziger, bekommt nicht nur von seiner Freundin den Laufpass, sondern wacht eines Morgens auf und muss feststellen, dass – jawohl! – ganz London von Untoten bevölkert ist.

Die britische (auch bildende) Künstlerin Tracey Emin nähert sich in "Top Spot" den Geschichten sechs weiblicher Jugendlicher in einem öden englischen Badeort und erfasst dabei essenziell, was es heißt ein Teenager zu sein.

"Der Wald vor lauter Bäumen" von Marin Ade (Deutschland) ist das beklemmende Porträt einer wohlmeinenden jungen Lehrerin, die aus der Provinz in die "Großstadt" Karlsruhe kommt und dort beruflich wie privat alles richtig machen will, dabei aber nicht zuletzt aufgrund ihrer Naivität und Aufdringlichkeit im Abseits landet und psychisch zu Grunde geht.

Über seinen Film "Wesele/The Wedding" bekam der polnische Regisseur Wojciech Smarzowski zu hören, dieses Porträt einer bei Hochzeitsfeierlichkeiten versammelten raffgierigen Kleinbürgergesellschaft dürfe zur Wahrung des polnischen Ansehens nie im Ausland gezeigt werden. (red)

  • "I cinghiali di Portici"
    foto: crossing europe

    "I cinghiali di Portici"

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