Trend zum Europäischen Omnibus

25. April 2005, 14:53
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Generationsfragen in Mittel- und Osteuropa, multinationales Kurzfilmprojekt: der Eröffnungsfilm "Lost and Found"

"Lost and Found", der Eröffnungsfilm (in Anwesenheit der RegisseurInnen und ProduzentInnen: Dienstag, 26. April, 18.00 Uhr und 22.45 Uhr in OmdU bzw. 23.00 Uhr OmeU, City-Kino), verknüpft sechs Kurzfilme zu einem Panorama der Generationskonflikte in Mittel- und Osteuropa. Die Beziehungen zwischen Jüngeren und Älteren sowie das Scheitern oder Gelingen von Fluchtversuchen verbinden die Episoden miteinander.

Von einer geglückten Flucht erzählt "Das Ritual" der bulgarischen Regisseurin Nadeja Koseva, die bei CROSSING EUROPE 2005 auch als Mitglied der Wettbewerbsjury involviert ist: Eine ländliche Hochzeitsgesellschaft beginnt mit den Feierlichkeiten – obschon das Brautpaar fehlt. Ein großes Opfer wird der schüchternen Tatiana in "Das Mädchen und der Truthahn" von Cristian Mungiu (Rumänien) abverlangt: Soll die Operation der kranken Mutter möglicht werden, muss das Mädchen seinen über alles geliebten Truthahn opfern.

Für "Der Geburtstag" – die dokumentarische Arbeit in Lost and Found – hat die bosnische Filmerin Jasmila Zbanich die Lebenswege zweier Mädchen aus dem vom Krieg gezeichneten Mostar verfolgt. Obwohl am selben Tag geboren, sind die beiden einander bis zum Tag der Wiedereröffnung der Brücke über die Neretva noch nie begegnet, da sie auf verschiedenen Seiten der geteilten Stadt aufgewachsen sind.

Kornél Mundruczo (Ungarn) begleitet in "Der kurze Moment der Stille" einen auf Suizidkandidaten spezialisierten Psychologen bei der Heimkehr in sein Elternhaus, wo er sich nach dem Tod der Mutter mit seiner Schwester der Vergangenheit und damit einer inzestuösen Beziehung stellt.

In "Wunderbare Vera" von Stefan Arsenijevic (Serbien-Montenegro) schlägt sich die Belgrader Straßenbahnschaffnerin Vera mit den Auswanderungsplänen ihrer Tochter herum. An einer Weichenstellung sowohl der Gleise als auch des Schicksals entführt die Protagonistin kurzerhand die Straßenbahn und fährt, ohne es zu wissen, ihrem Glück entgegen.

Die Animation "Gene-Ratio" von Mait Laas aus Estland verknüpft die Episoden. Ein Architekt versucht, seine Frau bei der Geburt des gemeinsamen Kindes zu unterstützen und gerät dabei auf eine phantastische Reise. Die einzelnen Sequenzen von "Gene-Ratio" sind überleitend zwischen die fünf anderen Filme von "Lost and Found" aufgeteilt.

Anlässlich "Lost and Found" sowie "Across the Border", dem zweiten Omnibusfilm im Festival, findet am Mittwoch, 27. April um 15.00 Uhr im O.K/Mediendeck die Diskussion "EUROBUS – Der neue Trend zu Europäischen Omnibusproduktionen" statt. Es nehmen teil: Herbert Schwering (Produzent von Lost and Found), Nikolaj Nikitin (künstlerischer Leiter von Lost and Found), Nadeja Koseva (Regisseurin), Wolfgang Widerhofer (Konzeption von Across the Border) und Jan Gogola (Regisseur). Moderation ist Blanka Elekes Szentagotai (Journalistin und Festivalleiterin, Ungarn). (red)

  • Artikelbild
    foto: crossing europe
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