Filmmuseum präsentiert "Rohstoff"

2. Mai 2005, 16:33
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Super-8-Arbeiten von Linklater, Jarman, Zobernig, Tscherkassky und den Brüdern Kuchar in vier Programmen

Wien - Dem billigen "Amateurformat" Super 8 widmet das Österreichische Filmmuseum die zweite Folge seiner Ende vergangenen Jahres initiierten Reihe "Rohstoff". Von 27. bis 30. April werden in vier Programmen Acht-Millimeter-Filme von Regisseuren wie Richard Linklater, Derek Jarman, George und Mike Kuchar, Peter Tscherkassky und Heimo Zobernig gezeigt. "Sie alle nehmen das Material ernst, eignen es sich an und verwandeln es in etwas Kostbares", heißt es in einer Ankündigung des Filmmuseums.

Prädestiniert für Experimente

Die Vorläufer des Acht-Millimeter-Films reichen bis 1900 zurück, aber erst die Weiterentwicklungen der Firma Kodak ("Doppel-8mm" ab 1932; Super 8 ab Mitte der 1960er; Super-8-Sound ab 1974) ermöglichten seinen durchschlagenden Erfolg und seine große Verbreitung. Bis in die 1980er Jahre war Super 8 neben der Fotografie das populärste Medium, um private Ereignisse festzuhalten. 8mm und Super 8 waren aber auch das Format der filmischen Subkulturen, sie waren prädestiniert für Experimente und eine radikale, demokratische Praxis des Filmemachens. Regisseure wie Pedro Almodovar, John Carpenter, Abel Ferrara, Gus van Sant oder John Waters stiegen auf diesem Weg in die Branche ein.

Heute ist ein Großteil der Originalmaterialien verschollen bzw. nicht mehr im Originalformat vorführbar. Das Filmmuseum präsentiert einige "überlebende" Werke sowohl im Original als auch "transferiert": Undergroundfilme der amerikanischen Filmavantgardisten George und Mike Kuchar, Richard Linklaters ersten Spielfilmversuch, die Kurzfilme von Derek Jarman und ein Programm rund um Sex, Punk und Religion. Zum zweiten und dritten Programm am 29. und 30. April werden die österreichischen Filmemacher Peter Tscherkassky (29.4.) und Konrad Becker (30.4.) als Gäste erwartet.

Filmgeschichte als Schichten-Phänomen

Die von Dietmar Schwärzler und Sylvia Szely kuratierte Recherche-Reihe "Rohstoff" zielt auf ein Verständnis von Filmgeschichte als Schichten-Phänomen, in dem "Vergangenheit und Zukunft einander überlappen und die Ränder in freien Austausch mit den Zentren treten". Zwischen 2004 bis 2006 sind fünf Stationen geplant - als "Plädoyer für den offenen Dialog zwischen Formaten wie Kurzfilm (fiktional und dokumentarisch), Super 8, Werbe- und Industriefilm, Musik- und Kunstvideo". (APA)

  • "Miniaturen. Viele Berliner Künstler in Hoisdorf" 
(Peter Tscherkassky, 1983)
    foto: filmmuseum

    "Miniaturen. Viele Berliner Künstler in Hoisdorf" (Peter Tscherkassky, 1983)

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