Chelsea-Eigner toppt Rubel-Liste

2. Mai 2005, 11:28
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Das "Forbes Magazin" hat versucht, die rubelreichsten Unternehmer zu ermitteln: Gewinner der Yukos-Zerschlagung ist Sibneft-Mitbesitzer Roman Abramowitsch

Zum zweiten Mal hat die russische Forbes-Ausgabe jetzt ihre Liste der reichsten Russen veröffentlicht. Und im Vergleich zum Vorjahr dokumentiert, wie nahe Aufstieg und Fall in der regelarmen Kapitalismusvariante des Riesenreiches beieinander liegen. Gleich 31 Neulinge hielten Einzug in den Unternehmerklub der Top 100, deren Durchschnittsalter bei 44 Jahren liegt.

Ein Drittel der aus der Liste Ausgeschiedenen sind Personen, die mehr oder weniger mit dem großteils zerschlagenen Yukos-Konzern verbunden waren. Nur dessen inhaftierter Ex-Chef Michail Chodorkowski hielt sich in der Liste, wiewohl vom vorjährigen ersten Platz (15,2 Milliarden Dollar, 11,6 Mrd. Euro) auf den 21. Platz (zwei Mrd. Dollar) degradiert.

Neue Nummer eins

Neue und schier uneinholbare Nummer eins ist Roman Abramowitsch, der auf der Weltrangliste der Reichsten Nummer 21 ist. Das Vermögen des 38-jährigen Gouverneurs der Region Tschukotka und des Mitbesitzers der Ölgesellschaft Sibneft, die seit Kurzem ihr Exportgeschäft über Wien abwickelt, wird auf 14,7 Mrd. Dollar (11,2 Mrd. Euro) veranschlagt.

Im Westen erlangte der Aufsteiger aus dem Waisenhaus Berühmtheit, als er um 522 Mio. Dollar den Fußballklub FC Chelsea London kaufte. Kolportiert wird ein gutes Verhältnis von Abramovich zu Russlands Präsident Wladimir Putin.

Auf Nummer zwei der Liste findet sich Wladimir Lisin (sieben Milliarden Dollar), Besitzer des Metallurgiekombinats Nowolipezk, der seine Karriere als Stahlgießer in der Sowjetunion begann. Wie überhaupt die Chefs der Metallbranche zu den großen Aufsteigern des letzten Jahres gehören, einige haben ihr Vermögen eineinhalbmal vermehrt.

Rohstoff-Reichtum

Überhaupt dominiert der Mitte der 90er-Jahre privatisierte Rohstoffsektor in der "Rubel-Liste", neben Metallen, Öl und Gas. Mit ihnen verdient Nr. 3, Viktor Wekselberg (Ölkonzern TNK-BP); Nr. 4, Oleg Deripaska (Aluminium, Autobau); Nr. 5, Michail Fridman (TNK-BP, Alfa-Bank) und die meisten anderen.

Nur Nr. 6, Wladimir Jewtuschenko (5,1 Milliarden Dollar), der als Intimus der Moskauer Stadtführung sein Vermögen innerhalb eines Jahres um drei Milliarden Dollar gesteigert hat, casht auf den Sektoren Telekommunikation, Immobilien und Finanzen ab.

Bemerkenswert ist jedoch, dass jenseits der Rohstoffgiganten sieben Vertreter des Handels in die Liste einzogen, was auf eine gewisse Diversifizierung der russischen Wirtschaft hindeutet.

Baulöwin als einzige Frau

Einzige Frau in der Liste ist nach wie vor Jelena Baturina (1,4 Milliarden Dollar), Baulöwin und Frau des Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow, der unter anderem im steirischen Schladming ein Haus besitzen soll.

Auch 18 Vertreter der Staatsmacht scheinen in der Liste auf, darunter die Söhne der Präsidenten zweier Teilrepubliken. Forbes schließt nicht aus, dass Staatsbeamte die Schwelle zur Reichenliste überschritten haben, zählt aber das außerhalb der kommerziellen Tätigkeit erwirtschaftete Vermögen nicht. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.04.2005)

Eduard Steiner aus Moskau

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Forbes Magazin
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    Hat genug Kleingeld für einen Fußballklub: Ölmilliardär Abramovich.

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