Günstige EU-Autos, aber ohne Probefahrt

9. Mai 2005, 13:22
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Autokäufe im EU-Ausland lohnen nach wie vor, allerdings sind Abschläge auch beim Kaufakt einzukalkulieren - Spezialisierte Vermittler machen bereits gute Geschäfte

Der seinerzeitige EU-Wettbewerbskommisar Mario Monti versprach: niedrigere Autopreise, nur weil die EU das Vertriebsrecht für Pkw liberalisierte.

Nun, die Autopreise sind vielleicht gesunken, noch nie gab es so viele Sondermodelle, Sonderrabatte und Sonderaktionen wie derzeit, aber das hat eher mit der schwächelnden Nachfrage zu tun.

Ein anderer Effekt, der damals vorausgesagt wurde, ist nun eingetreten: Es ist die Zeit der Vermittler, die die weiterhin unterschiedlichen Nettopreise (ohne länderspezifische Steuern und Abgaben) in den EU-Ländern ausnutzen. Und davon kann man als Autokäufer durchaus profitieren.

Hohe Steuern in Nordeuropa

Das plakativste Beispiel: Ein Neuwagen in Nordeuropa wird hoch besteuert. Damit das Gut Auto dort weiterhin leistbar ist, sind die Werksabgabepreise niedriger gehalten. "Ein Volvo kann damit schon um bis zu 20 Prozent billiger sein als bei uns", verspricht auch der Grazer Martin Brantner.

Er betreibt mit einem Partner seit zwei Jahren die EU-Autovermittlung Dila.at. Er importiert Autos, exportiert aber auch - interessanterweise - französische Autos nach Frankreich, weil diese bei uns billiger sind als im Heimatland.

Geordert wird über Händlerpartner im Land, zum Nettopreis ist dann noch die österreichische Mehrwertsteuer sowie die vom Verbrauch des Wagens abhängige NoVA zu entrichten - diese ist bei jeder erstmaligen Zulassung in Österreich fällig, selbst wenn es sich um Schenkungen, Erbschaften oder Übersiedlungsgüter handelt.

Jungwagen

Interessant seien dabei, so Brantner im STANDARD-Gespräch, auch so genannte Jungwagen aus Deutschland. Denn ist ein Auto älter als sechs Monate (Anmeldungsdatum) und hat mehr als 6000 Kilometer auf dem Tacho, gilt es nicht mehr als Neuwagen.

Und dann ist der Umsatzsteuersatz des Landes, in dem gekauft wird, fällig - in Deutschland sind das 16 Prozent. Die NoVa kann man sich aber auf keinen Fall ersparen.

Keine Probefahrten

Folgendes können Vermittler im Vergleich zum Fachhandel nicht bieten: markenspezifische Beratung, umfassendes Zubehör sowie - wichtig - Probefahrten. Daher sind auch 80 Prozent der Kunden Gewerbetreibende, so Brantner, die auf kostengünstige Standardprodukte spitzen.

Auch die Lieferzeiten können bei den "Grauhändlern" je nach Nachfrage länger sein. (Leo Szemeliker; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.04.2005)

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    Beim Autokauf im EU-Ausland können bis zu 20 Prozent eingespart werden.

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