Spekulationen belasten Fiat

9. Mai 2005, 13:22
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Gläubigerbanken haben kein Interesse an Beteiligung

Mit einem Allzeittief des Fiat-Kurses von 4,39 Euro, Massenverkäufen und nicht endenden Spekulationen hat der angeschlagene Turiner Fiat-Konzern eine schlimme Woche hinter sich.

Gerüchte, wonach General Motors wegen Finanzschwierigkeiten nicht die erste Tranche der versprochenen 1,5 Mrd. Euro zahlen werde, wurden vom Konzern ebenso dementiert wie Berichte, wonach Konzernchef Sergio Marchionne die im Herbst 2005 fälligen drei Mrd. Euro Wandelanleihe nicht zurückbezahlen wolle.

Finanzpolizei untersucht

Dazu kamen Untersuchungen der Finanzpolizei bei dem für den Wiederaufbau der einstigen Alfa-Fiat-Werke verantwortlichen Konsortiums, eine überraschend verschobene Hauptversammlung und Gerüchte über einen neuerlichen Management-Wechsel.

Erst zu Wochenende kam es zur Beruhigung, nachdem Marchionne Gespräche mit den Gläubigerbanken für Dienstag ankündigte. Die Kreditinstitute Banca Intesa und Unicredito haben nicht die geringste Absicht, ihre Darlehen in Fiat-Anteile zu wandeln und so zu Großaktionären des Konzerns zu werden.

Auch die Hiobsbotschaften über die Untersuchungen der Finanzpolizei haben sich relativiert: Diese erfolgten auf Drängen des autonomen Gewerkschaftsverbandes Cobas, der Druck wegen der bevorstehenden Kurzarbeit für 1300 Angestellte machen wolle. Immer lauter werden hingegen Stimmen, wonach der chinesische Autobauer Saic nach seinem Rückzug von Rover an Fiat interessiert sei.

Langsame Genesung

Die Genesung von Fiat geht nur langsam voran. Der für heuer angepeilte operative Verlust von 300 Mio. Euro für Fiat Auto wird laut Morgan Stanley kaum erreicht werden. Die Investmentbanker erwarten ein Defizit von 678 Mio. Euro nach 840 Mio. Euro im Vorjahr. Der Fiat-Konzern, der 40 Prozent seines Umsatzes mit Fiat-Auto macht, soll heuer wieder in die Gewinnzone geraten. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.04.2005)

Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand

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