EU untersucht China-Textilimporte

2. Mai 2005, 12:05
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Beschwerden der europäischen Textilindustrie und jüngste Importstatistiken sorgen erhöhte Aufmerksamkeit in Brüssel - Quotenbeschränkungen könnten die Folge sein

Brüssel/Paris/Wien - Die Europäische Union leitet erste Schritte gegen die Importschwemme chinesischer Textilien ein. Am Sonntag hat die EU-Kommission entschieden, in welchen Kategorien der Markt untersucht werden soll.

Der Wegfall der Schutzquoten per 1. Jänner hat die Importe aus Asien drastisch steigen lassen, die europäische Textilindustrie läuft bereits seit Wochen Sturm und fordert Gegenmaßnahmen.

Neun Kategorien werden unter die Lupe genommen

Unter die Lupe genommen werden neun Kategorien, darunter fällt Textiles wie T-Shirts, Pullover, Herrenhosen und Blusen bis hin zu Strümpfen und Socken. Mit der Untersuchung setzt EU-Handelskommissar Peter Mandelson ein Verfahren bei der Kommission in Gang, das in letzter Konsequenz zu Quotenbeschränkungen für die Einfuhr chinesischer Textilien führen kann.

China ist erst 2001 der Welthandelsorganisation WTO beigetreten, darum können Handelspartner bei Marktstörungen Importe regulieren.

Zwischen 51 und 534 Prozent mehr Importe

Mandelson reagierte mit seiner Entscheidung auf die jüngsten Importdaten, die im ersten Quartal 2005 Steigerungen zwischen 51 und 534 Prozent ausweisen. Es bestehe Anlass zur Sorge, die EU könne der Entwicklung nicht einfach zuschauen, "die Zeit für Reaktionen ist gekommen", sagte er.

Die Kommission reagiert damit aber auch auf massiver werdenden Druck aus Frankreich. Laut dem französischen Industrieminister Patrick Devedjian befürchte das Land für heuer wegen der Importe aus China den Verlust von 7000 weiteren Stellen in der Textilindustrie. "Für unsere bereits seit Jahren leidenden Unternehmen ist die Situation sehr ernst", sagte der Minister am Wochenende in einem Zeitungsinterview.

In Österreich hält sich die Gefahr für die rund 17.000 Jobs in der hochspezialisierten Textilindustrie laut Experten "in Grenzen". Trotzdem macht sich die Industrie für Schutzklauseln bei fast 120 Produkten stark. (APA, Bloomberg, red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.04.2005)

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    Die Billigprodukte aus China sorgen für Besorgnis in Europa.

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