Die Rückkehr des Steinadlers

2. Mai 2005, 12:44
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Erfolgsprojekt "Aquilalp": Der Bestand der Greifvögel in den Ostalpen gilt inzwischen wieder als gesichert und stabil

Salzburg - Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts war der Steinadler in Österreich vom Aussterben bedroht. Das hat sich geändert: Der König der heimischen Lüfte hat sich in den vergangenen Jahrzehnten seinen Lebensraum zurückerobert, der Bestand ist gesichert und stabil. Das ist das Ergebnis des Forschungsprojektes "Aquilalp" über den Lebensraum der Steinadler in den Ostalpen.

Zählungen

Allein in den Hohen Tauern leben derzeit 38 bis 40 Paare, erklärte Norbert Winding, der das von der EU im Rahmen von Interreg III unterstützte Projekt federführend betreut hat. Seit 2003 werden die Steinadler-Bestände in den fünf an "Aquilalp" beteiligten Schutzgebieten - Nationalpark Hohe Tauern, Naturpark Rieserferner Ahrn, Nationalpark Stilfserjoch, Naturpark Fanes-Sennes-Prags und Nationalpark Dolomiti Bellunesi in Venetien - beobachtet. Dabei werden die in den jeweiligen Gebieten lebenden Steinadler sowie deren Horste gezählt.

Es gilt herauszufinden, ob die Tiere brüten und Jungvögel großziehen. Im heurigen Frühjahr strömen die Adler-Forscher erneut aus, um die Steinadlerpopulation zu dokumentieren. Im Herbst wird das Projekt, für das insgesamt 400.000 Euro zur Verfügung standen, abgeschlossen. "Damit haben wir einen aktuellen Überblick über den Bestand", sagte Winding. Sein Fazit: Zusätzliche Schutzmaßnahmen für den Steinadler sind derzeit nicht notwendig. In den heimischen Alpen gibt es eine gesättigte Population.

"Platz für mehr gibt es nicht mehr"

"Wir waren überrascht, wie viele Steinadler hier leben", erzählte der Biologe. Für den Forscher ist der gesunde Bestand - praktisch alle verfügbaren Reviere sind von den Vögeln besetzt - ein Gütesiegel für das intakte Ökosystem im Nationalpark Hohe Tauern und den anderen im Projekt vertretenen Schutzgebieten. "Platz für mehr gibt es nicht mehr", weiß Winding. Eingriffe des Menschen sind dabei aber nicht notwendig, das System reguliere sich selbst. Auf dem Weg vom Jungadler bis zum brütenden Vogel sterben etwa zwei Drittel der Tiere. Immer wieder sind die Jungadler in Auseinandersetzungen um ein Revier verwickelt und werden vertrieben.

Der Bruterfolg in den Hohen Tauern ist ausgezeichnet: Im vergangenen Jahr wurden von 28 beobachteten Paaren 23 Jungvögel großgezogen. Mit einer durchschnittlichen Nachwuchsrate von 0,82 Jungvögeln pro Paar liegen die Hohen Tauern dabei weit vor den anderen überprüften Gebieten. Im Naturpark Rieserferner-Ahrn lag die Nachwuchsrate nur bei 0,4 Vögeln, im Naturpark Dolomiti Bellunesi bei 0,25. Jungadler aus dem Norden können deshalb bei der Suche nach einem Revier im Süden fündig werden, erzählte Winding. Auf der Suche nach einem passenden fixen Lebensraum werden die Jungtiere auch punktuell außerhalb der Alpen gesichtet. So hat es beispielsweise schon im Salzburger Flachgau vereinzelte Beobachtungen gegeben.

50 Quadratkilometer große Reviere

Der Steinadler braucht große Gebiete, ausreichend Rückzugsräume sowie eine erhebliche Wilddichte, um genügend Nahrung zu finden. Murmeltiere, Gamskitze, Schneehasen, Schneehühner aber auch Hauskatzen stehen auf dem Speiseplan der Adler. Alpenweit rechnet man mit einem Bestand von rund 1.300 Paaren. Die Reviere der Tiere sind durchschnittlich rund 50 Quadratkilometer groß. Steinadler sind dunkelbraun und haben einen goldgelben Nacken und Oberkopf. Die Flügelspannweite beträgt mehr als zwei Meter. Weibchen wiegen fünf Kilogramm, Männchen rund 3,7 Kilogramm.

Die Paare bleiben lebenslang zusammen und halten sich sommers wie winters in ihrem jeweiligen Revier auf. Eindringlinge werden vertrieben. Die Weibchen legen Ende März/Anfang April ein bis zwei Eier ab. Nach rund 45 Tagen schlüpft der Jungvogel im Horst und wird nach 80 Tagen flügge. Der älteste bekannte Steinadler wurde im Freiland 32 Jahre alt. (APA)

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