Molterer verteidigt das differenzierte Schulsystem

4. Mai 2005, 19:44
33 Postings

"Wir halten die Gesamtschule bildungspolitisch für falsch" - SPÖ-Niederwieser: ÖVP steht mit dieser Position alleine da

Wien - Die ÖVP verteidigt vor dem Schul-Gipfel bei Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) mit Kardinal Christoph Schönborn und SPÖ-Vorsitzendem Alfred Gusenbauer das differenzierte Schulsystem. "Wir halten die Gesamtschule - und das bestätigen uns auch viele internationale Studien - bildungspolitisch für falsch", so Klubchef Wilhelm Molterer im "Kurier" (Sonntag-Ausgabe). Für SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser steht die ÖVP mit dieser Position alleine da.

Molterer betont, das differenzierte Schulsystem mit Hauptschule und AHS-Unterstufe sei besser geeignet, das Leistungspotenzial der Kinder zu fördern. Die Hauptschule sei genauso eine hochqualifizierte Bildungsform, wie die AHS-Unterstufe.

Hauptschüler mit Uni-Abschluss

Zu beachten sei dabei allerdings, wie durchlässig die einzelnen Systeme sind. Molterer: "Ich bin selbst ein Beispiel dafür, dass die Durchlässigkeit der Systeme funktioniert. Ich bin Hauptschüler und habe später einen Universitätsabschluss gemacht. Ich lasse mir die Hauptschule nicht schlecht reden."

Trotz Absage an die Gesamtschule sieht Molterer eine Chance auf Konsens mit der SPÖ. "Nur kann es nicht so sein, dass die SPÖ definiert, wie die Inhalte dieses Konsenses aussehen. Der in der Bevölkerung vorherrschende Wunsch nach einem differenzierten Schulsystem kann nicht ignoriert werden."

Für Niederwieser allerdings steht die ÖVP mit dieser Position allein da. BZÖ-Staatssekretär Karl Schweitzer habe zuletzt ein deutliches Bekenntnis zu einer gemeinsamen Schule mit individueller Förderung abgelegt, so Niederwieser in einer Aussendung. Er erwarte nun, dass diesmal vom BZÖ nicht wieder ein "Salto rückwärts" folge und sie dann letztlich wieder auf die ÖVP-Position einschwenke.

Insgesamt sieht sich Niederwieser zuversichtlich. Es gebe zwischen den Parteien viele Gemeinsamkeiten, "allerdings nicht gleichzeitig, was für Verwirrung gesorgt hat und nach wie vor sorgt". Wenn es Schüssel diesmal nicht ums Rechthaben gehe, "dann können wir die Zwei-Drittel-Mehrheit abschaffen und den Weg für eine Erneuerung und Verbesserung der österreichischen Schule freimachen und gleichzeitig wesentlichen Bedenken Rechnung tragen. Ich würde es im Sinne einer gemeinsamen Lösung aber für richtig halten, wenn zu diesem Gespräch alle Parteivorsitzenden eingeladen werden". (APA)

  • Artikelbild
    foto: standard/fischer
Share if you care.