Kehrtwende im Übernahmepoker um US-Telekomunternehmen MCI

1. Mai 2005, 11:13
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Jüngste Offerte von Qwest besser als jene von Verizon - Zuvor waren drei Angebote abgelehnt worden

In dem seit gut drei Monaten andauernden Bieterwettstreit zwischen Qwest und Verizon hat der Übernahmekandidat MCI am Samstag eine Kehrtwende vollzogen. Der Ferngespräch-Spezialist erklärte, die jüngste Übernahmeofferte von Qwest in Höhe von 9,9 Milliarden Dollar (7,57 Milliarden Euro) sei besser als das 7,8 Milliarden Dollar schwere Angebot von Verizon. Zuvor hatte MCI bereits drei Qwest-Offerten abgelehnt, obwohl sie höher gewesen waren als die von Verizon.

Zustimmung

Das MCI-Management hat bereits einer Übernahme durch Verizon zugestimmt. Verizon, das größte Telekom-Unternehmen der USA, kündigte nun an, seine Optionen zu prüfen. Das Unternehmen gehe weiterhin davon aus, den Eignern, Kunden und Mitarbeitern von MCI mittel- bis langfristig die bessere Perspektive zu bieten.

MCI nannte zunächst keine Einzelheiten zu seiner revidierten Entscheidung. Qwest äußerte sich zufrieden. Allerdings haben die MCI-Aktionäre bisher über keines der beiden Angebote abgestimmt. Verizon könnte nun entweder die eigene Offerte erhöhen, eine Aktionärsabstimmung über sein bisheriges Angebot erzwingen oder sich aus der Fusionsvereinbarung mit MCI zurückziehen und dabei eine vertraglich festgeschriebene Strafe von 240 Millionen Dollar einstreichen. Für eine Aufbesserung des Angebots hätte der Branchenprimus noch fünf Werktage Zeit.

Kein Konter?

Wie aus mit der Situation vertrauten Kreisen verlautete, versuchte Verizon nicht, das höhere Qwest-Angebot zu kontern. Das Unternehmen werde erst die Reaktionen der Aktionäre in den kommenden Tagen und Monaten abwarten, bevor es sich entscheide.

Zudem könnte MCI theoretisch noch einmal seine Meinung ändern. Qwest kann sein Angebot nicht mehr zurückziehen, der Board von MCI kann sich nach den Konditionen bis zum dritten Mai wieder für das Verizon-Angebot aussprechen. Mit Qwest kann MCI zunächst keine formale Fusionsvereinbarung schließen, solange die Vereinbarung mit Verizon Bestand hat.

Zu wenig

Einige große institutionelle Anleger bei MCI hatten sich gegen das niedrigere Gebot von Verizon ausgesprochen. Qwest hatte sein Angebot am Donnerstag auf 30,40 Dollar je Aktie erhöht. Das sei "das beste und letzte Angebot", hatte der Konzern angefügt. Qwest hatte der Führung von MCI bis Samstagnachmittag (Ortszeit) Zeit gegeben, das Angebot anzunehmen. Verizon bietet 23,50 Dollar pro MCI-Aktie. (APA/Reuters)

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