Mythos Sisi zieht Besucher in die Hofburg

28. November 2005, 16:48
2 Postings

585.000 kamen im ersten Jahr ins Sisi-Museum

Wien - Kaiserin Elisabeth Superstar. Der Mythos Sisi boomt, auch oder gerade dort, wo man sich die Legendenranken auszudünnen zur Aufgabe gemacht hat. Im Sisi-Museum in der Wiener Hofburg steigen seit dessen Eröffnung vor einem Jahr die Besucherzahlen stetig.

Und so musste Schönbrunn-Geschäftsführer Franz Sattlecker "das Prinzip, dass man sich nicht selbst loben soll" am Freitag kurz außer Kraft setzen. War man anfangs davon ausgegangen, dass die Investitionen in der Höhe von 800.000 Euro innerhalb von fünf Jahren durch die Erlöse wieder eingenommen sein würden, haben sich die Kosten bereits im ersten Jahr nach der Eröffnung amortisiert. "Das ist betriebswirtschaftlich net so schlecht", resümiert Sattlecker zufrieden.

Kritischer Blick

585.000 Menschen kamen im ersten Jahr in das Sisi-Museum, um die Schau, die einen kritischen Blick auf die Frau hinter der Ikone wirft, zu sehen. Ausstellungs-Kuratorin Katrin Unterreiner freut besonders, dass nicht nur ausländische Touristen, sondern auch viele Wiener und Wienerinnen unter den Besuchern waren.

Zum einjährigen Jubiläum werden auch neue Exponate gezeigt. In den kommenden drei Monaten wird das "lichte Kleid" Elisabeths zu sehen sein. Das cremefarbene hochgeschlossene Kleid aus Seidentaft und Gaze tauchte vor einigen Jahren in Deutschland bei einer Auktion auf. Durch die jahrzehntelange Lagerung in einem Karton war es sehr mitgenommen, die Restaurierung dauerte zwei Jahre. Elisabeth, die seit dem Selbstmord ihres einzigen Sohnes Rudolph im Jahr 1889 nur noch Schwarz trug, hat das "lichte Kleid" nur bei ganz seltenen Anlässen getragen.

51 Zentimeter

An der Authentizität der Robe hat Kuratorin Unterreiner keine Zweifel: "Die Maße passen mit denen Elisabeths überein und einen Taillenumfang von 51 Zentimetern hatte so bald keine. Außerdem ist ein gekröntes E eingestickt."

Das bisher unbekannte Tagebuch ihres Lieblingslakaien Leopold Alram, der die Kaiserin vor allem auf Seereisen begleitete, gibt Zeugnis von unbeschwerten Aufenthalten an der Cote d'Azur, protokolliert aber auch die zunehmende Ich-Bezogenheit Elisabeths. Oft suchte sie Nervenkitzel in Gefahren, denen sie sich bewusst aussetzte, wie Seereisen mit halbkaputten Schiffen.

Um der authentischen Frau hinter Kitsch und Mythos noch näher zu kommen, sind ab Oktober Themenführungen geplant, beispielsweise zu "Elisabeth und Sport" oder "Elisabeth und Schönheit". Dazu soll es eine Art Sammelpass geben zu, mit dem die Teilnahem an jeder vierten Führung gratis sein wird.

Kühles Grau

Aber auch Franz-Joseph, gegen seine Frau ein mythenmäßiges Armutschkerl, kommt zu seinem Recht: Sein Arbeitszimmer und sein Konferenzzimmer wurden vom Schmutz der vergangenen Jahrzehnte befreit. Und an den Wänden des Büros des "ersten Beamten seines Reiches" ist jetzt wieder die Originalfarbe: ein kühles Steingrau. (Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD Printausgabe, 23.04.2005)

  • Artikelbild
    foto: schönbrunn betriebsges.m.b.h.
Share if you care.