Am Anfang der Buckel: Ausflug in die Geschichte

    23. April 2005, 13:39
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    Das Wandergebiet im Pittental: Einfach, aber pittoresk und nicht überlaufen

    Gerade im Frühjahr erweisen sich die Höhen östlich des mittleren und unteren Pittentales als lohnendes Wandergebiet, wobei man immer wieder auf Spuren der früheren Bedeutung der Region am Beginn der Buckligen Welt stößt.

    Der Bergbau (Kohle und Eisen) hatte einst große wirtschaftliche Bedeutung und machte - wie die Geschichte der Besitzer der nahen Burg Seebenstein beweist - seine Betreiber reich. Pitten selbst ist uraltes, bis in die Urzeit zurückreichendes Siedlungsgebiet, obgleich das Tal wegen der vielen Hochwässer nicht gerade einladend wirkte.

    Brunnen und Kirche

    Das - leider nicht zugängliche - Schloss hat einen mittelalterlichen Kern. Dreizehn Jahre brauchte man angeblich, um einen Brunnen bis zum Grundwasserspiegel vorzutreiben. Er hat eine Tiefe von 140 m, der Turm des Stephansdoms ließe sich leicht darin unterbringen. Hinter der malerischen Bergkirche liegt eine Höhle, die Felsenkapelle, an deren Wänden noch Reste mittelalterlicher Fresken zu bestaunen sind. Die Grotte diente bis nach dem Zweiten Weltkrieg als Karner.

    Von vielen freien Flächen hat man einen netten Blick in die Umgebung, die dem Weißjackl vorgelagerte Kuppe mit dem Fernsehsender beschert dem Wanderer sogar eine herrliche Aussicht in das Tal der Pitten, zum Schneeberg und dessen Nachbarerhebungen sowie zur Hohen Wand. Das Grafenkreuz trägt die Jahreszahl 1866, hat aber nichts mit der Schlacht von Königgrätz zu tun, sondern erinnert an einen Jagdunfall.

    Schwierigkeiten sind auf der ganzen Runde nicht zu erwarten, eine Karte aber sollte man im Rucksack haben.

    Die Route: Vom Ortszentrum Pitten geht man ein Stück auf der Straße Richtung Erlach, dann hält man sich rechts und erreicht über die Höllerstiege die Bergkirche und Felsenkapelle. Auf der rot-blau-grünen Markierung geht es über das Schloss und das Grafenkreuz nach Leiding. Gehzeit ab Pitten 1¼ Stunden.

    Die Richtung beibehaltend wandert man bis zur Ortstafel und zweigt dann nach rechts - blau markiert - zum Weißjackl ab. Beim Wegweiser "Schiltern" geht es nach links zum bewaldeten Gipfel. Gehzeit ab Leiding eine halbe Stunde.

    Zurück zur Abzweigung und weiter auf der roten Markierung zum Vorgipfel mit Sender und Aussichtsplatz. Der Weg führt nun in mehreren Serpentinen talwärts, auf einem Gehweg neben der Straße gelangt man zurück zum Ausgangspunkt Pitten. Gehzeit ab Weißjackl eine Stunde. (Der Standard, Printausgabe 23./24.4.2005)

    Von Bernd Orfer

    Gesamtgehzeit 3¼ Stunden, Höhendifferenz rund 250 m. Gasthaus in Leiding (Mittwoch Ruhetag). Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 106 (Aspang-Markt); Pittener Wanderkarte 1:25.000
    • Schloss Pitten
      foto: tiscover

      Schloss Pitten

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