Kritik an Asfinag wegen Nordautobahn

2. Mai 2005, 11:33
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Raiffeisen urgiert Ausschreibung, Asfinag-Finanzchef verweist auf fehlende Verordnung – Straßenblockaden möglich

Wien – Raiffeisen-Holding-Chef Erwin Hameseder, dessen Beteiligungsgesellschaft einer der Bieter für den ersten Abschnitt der Nordautobahn ist, urgiert von der Straßenbaugesellschaft Asfinag die Herausgabe der Ausschreibungsunterlagen. "Wir sind enttäuscht, dass die Unterlagen noch immer nicht vorliegen – vier Monate verzögert sich das schon", sagte Hameseder am Rande einer Pressekonferenz am Freitag. Der Baubeginn Anfang 2006 sei damit gefährdet, deutet er an.

Die Errichtungsgesellschaft NOAG, an der neben diversen Raiffeisen-Unternehmen die Strabag dabei ist, hat sich mit vier anderen, teilweise ausländischen Bietern, für das Verfahren qualifiziert; ab Juli sollte laut Plan der Bestbieter ermittelt werden. Die Projektgröße laut Raiffeisen Holding: rund 700 Mio. Euro. Die Nordautobahn geht von Wien zur tschechischen Grenze (Drasenhofen), der erste Abschnitt – 52 km – geht bis Schrick im Weinviertel.

Warten auf die Verordnung

Asfinag-Finanzchef Christian Trattner weist im STANDARD-Gespräch Hameseders Vorwürfe zurück und spielt den Ball ans Verkehrsministerium weiter: "Der Herr Hameseder sollte sich besser informieren." So lange die entsprechende Verordnung über Trassenführung et cetera nicht erlassen seien, könne nicht ausgeschrieben werden. "Wir haben doch kein Interesse daran, etwas zu verzögern."

Vor einigen Tagen verstörte Trattner die Öffentlichkeit nachhaltig, indem er sagte, dass es heuer sicher keine Ausschreibung mehr für den zweiten Bauabschnitt geben werde. Dies wurde ihm so ausgelegt, dass die Autobahn überhaupt bei Mistelbach enden könnte. Der Bürgermeister der von täglich 10.000 Pkw und 1200 Lkw durchrollten Weinviertler Großgemeinde Poysdorf, Karl Wilfing (VP), sagt im STANDARD-Gespräch, sollte der Ausbau bis zur Grenze weiter verzögert werden, werde man "schärfste Maßnahmen setzen" – bis hin zur Blockade der Bundesstraße. Zusätzlich zur Verkehrsbelastung hänge die gesamte regionale Entwicklung vom Bau der A5 bis 2010 ab, man plane bereits Einkaufszentrum, Golfplatz und Hotelanlagen, so Wilfing. "Wir wollen nicht zum Spielball unfähiger Manager werden."

"Natürlich zur Grenze"

Trattner sagt: "Natürlich bauen wir bis zur Grenze." Aber er wolle "in Ruhe planen" und abwarten, was die diversen Planungen und Umweltprüfungen in Tschechien ergeben, damit die Trassen dies- und jenseits der Grenze aufeinander abgestimmt werden können. Das Hauptziel des Projektes "ist schließlich nicht, Poysdorf eine Ortsumfahrung zu bauen". (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24.4.2005)

  • Asfinag-Finanzchef Christian Trattner stellte klar, dass er kein Interesse habe, etwas zu verzögern.
    foto: asfinag

    Asfinag-Finanzchef Christian Trattner stellte klar, dass er kein Interesse habe, etwas zu verzögern.

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