Geistesblitz: Den Molekülen das Licht ausgeknipst

29. April 2005, 21:00
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Biophysiker Mario Brameshuber bringt seine Grundlagenforschung in den Schulunterricht

Bei der Technik bleiben oder mit Naturwissenschaften etwas Neues beginnen. Vor dieser Wahl stand Mario Brameshuber nach seiner Matura 1998 an der HTL für Maschinenbau in Salzburg. Er entschied sich für beides und machte sich auf die Suche nach einem passenden Studium. "Die Auswahl war nicht groß, aber genau die richtige", sagt der heute 26-Jährige. So inskribierte der gebürtige Salzburger für Biophysik an der Johannes-Kepler-Universität in Linz und absolvierte das Studium in Mindestdauer. Seine Diplomarbeit wurde jetzt mit dem Wilhelm-Macke-Preis und dem Wilhelm-Macke-Award ausgezeichnet. Die nach dem Gründungsprofessor der Linzer Physik benannten zwei Prämierungen vergibt die gleichnamige Stiftung seit dem Jahr 2000 für hervorragende studentische Leistungen. Für die von Mario Brameshuber entwickelte Technik "Wenn Molekülen das Licht ausgeknipst wird" erhielt er den mit 1200 Euro dotierten Preis. Und noch einmal 1200 Euro gab es dafür, dass es ihm gelang, diese Neuerung der Grundlagenforschung allgemein verständlich darzustellen. Den Wilhelm-Macke-Award vergaben nämlich Schüler und Physiklehrer von AHS-Oberstufe und HTL. Für dieses Publikum musste Brameshuber seine preisgekrönte Diplomarbeit so aufbereiten, dass sie schließlich als Vorlage für den Unterricht verwendet werden konnte.

In zwanzig Minuten erklärte der Jungphysiker, wie und warum er den Molekülen das Licht ausgeknipst hat, was sich ungefähr so anhörte: "Die Hülle einer Zelle heißt Membran, die aus seifenartigen Molekülen besteht, in die Proteine eingebettet sind und die sich dort bewegen können. Die Proteine, auch Eiweißmoleküle genannt, können sich also als Einheit, ähnlich einem Floß, auf der Zellmembran bewegen." Im Vortrag stellte Brameshuber diese Flöße aus Holz nach, auf denen Figuren aus der Comic-Serie "The Simpsons" als Proteine saßen. "Größe und Abstand vieler Proteine und Flöße liegen im Bereich von wenigen Millionstel Millimetern oder darunter. Daher sind sie mit konventionellen optischen Methoden nicht getrennt zu sehen, sondern nur als eine helle, homogen leuchtende Fläche."

Der Student entwickelte eine Technik, "einen definierten Bereich der Zellmembran zu bleichen. Kommen Proteine oder ganze Flöße in diesen Bereich, wird jedes einzelne Protein sichtbar", bringt er seine monatelange Forschungsarbeit, die ihm wenig Zeit für seine Beziehung und seine Hobbys Skifahren und Mountainbiken ließ, auf den Punkt. "Diese Methode gestattet Zugang zu bisher nicht beobachtbaren Charakteristiken von Zellmembranen und erlaubt damit neue Einblicke in die Geheimnisse des Lebens", wurde seine Diplomarbeit gewürdigt.

Der angehende Doktor der Biophysik wird auch weiter in der Grundlagenforschung bleiben. Gerade steht er für seine Dissertation zum Thema "Ultrasensitive Fluoreszenzmikroskopie" im Labor. Danach zieht es den Salzburger ins Ausland: "Ein Forschungsaufenthalt in den USA wäre optimal." (Kerstin Scheller/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24. 4. 2005)

  • Artikelbild
    illustration: standard/oliver schopf
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