Generali greift nach der Bawag

2. Mai 2005, 12:43
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Die Versicherung braucht ein flächen­deckendes Vertriebsnetz und will bei der ÖGB-Bank einsteigen. Schon 2006 könnte die Gewerkschaft ihre Bank an die Börse bringen

Danzig/Wien – Karl Stoss, frisch gebackener General-Direktor der Generali Versicherung, hat Bewegung in die Branche gebracht – allerdings in die Bankenbranche. Die Generali hat es auf die Bawag/P.S.K. abgesehen, konkret: Um in das österreichweit flächendeckende Vertriebsnetz der viertgrößten Bankengruppe Österreichs zu kommen, möchte sich die Generali zunächst mit zehn und später mit "unter 25 Prozent" an der Gewerkschaftsbank beteiligen. Das kündigte Stoss bei der Bilanzpräsentation im polnischen Danzig an. Der Preis, den die Generali angeblich bereit wäre zu zahlen: 200 Mio. Euro für zehn Prozent.

Die Spekulationen gehen aber noch viel weiter: In der nächsten Runde, bereits 2006, könnte Bawag-Alleineigentümer Gewerkschaftsbund (ÖGB) dann bis zu 49 Prozent der Bank an die Börse bringen. Themen, zu denen derzeit weder Bawag-Chef Johann Zwettler noch der ÖGB Stellung nehmen wollen.

Post-Einstieg "nicht realistisch"

Die ebenfalls angedachte Variante, wonach auch die Österreichische Post ins Boot steigen und sich mit zehn bis 15 Prozent in die Gewerkschaftsbank einkaufen könnte (Post und P.S.K. arbeiten auf Basis des Postvertrages zusammen), wird in Eigentümerkreisen nicht für realistisch gehalten. Post-Sprecher Michael Homola: "Dieses Thema steht nicht an."

Der Grund, warum der Generali-Chef seine Avancen gerade jetzt bekannt gibt: Er vermutet, dass der ÖGB nach dem Rückkauf der Bawag-Anteile von der Bayerischen Landesbank (BayernLB) Geld braucht. Darauf deute auch die Sonderdividende von 70 Mio. Euro hin, die die Bawag dem ÖGB heuer überweisen wird. Bisher lag die Ausschüttung lediglich bei 15 Mio. Euro, so Stoss. In gewerkschaftsnahen Kreisen sieht man das anders: 2004 sei besonders ertragreich gewesen (das Ergebnis dürfte bei fast 160 Mio. Euro liegen), "der Aktionär holt sich wie ein normaler Kapitalist eine normale Dividende".

Zum Schnäppchenpreis zurückgekauft

Faktum ist, dass der ÖGB den Bayern im Vorjahr ihr 46-prozentiges Bawag-Aktienpaket zum Schnäppchenpreis von rund 600 Mio. Euro abgekauft hat. Der Kaufpreis wurde für einige Jahre gestundet, zu einem günstigen Zinssatz. Allerdings soll der ÖGB, oder genauer dessen Solidarität Privatstiftung, in dem die Bankbeteiligung liegt, das Paket an die Bayern verpfändet haben.

Der Grund für den Appetit der Generali: Sie braucht Vertriebskanäle (siehe Artikel "Duett von Banken und Versicherern"). Die bestehende Kooperation der Bawag mit der Allianz Versicherung wäre "relativ leicht kündbar", glaubt Stoss. Bei der Allianz ist man trotzdem überrascht: "Die Kooperation funktioniert sehr gut, wir führen laufend Gespräche, wie wir sie intensivieren können." (Claudia Ruff, Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23./24.4.2005)

  • Bawag-Alleineigentümer Gewerkschaftsbund (ÖGB) könnte bereits 2006 bis zu 49 Prozent an die Börse bringen.
    foto: derstandard.at/prager

    Bawag-Alleineigentümer Gewerkschaftsbund (ÖGB) könnte bereits 2006 bis zu 49 Prozent an die Börse bringen.

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