Raiffeisen Holding NÖ-Wien holt sich Expansions-Kapital

2. Mai 2005, 12:43
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Eigentümer zeichnen Anteile über 100 Millionen Euro, weitere 100 Millionen Ergänzungskapital - Eigenmittelquote steigt von 12 auf 16 Prozent

Wien - Die Beteiligungsbank Raiffeisen Holding NÖ-Wien hat sich 200 Mio. Euro an frischem Kapital für die weitere Expansion des Unternehmens und deren Tochterfirmen gesichert. Bei der 107. Generalversammlung am Freitag haben die Eigentümer der Holding im Rahmen einer Emission Geschäfts- und Partizipationsanteile in Höhe von 100 Mio. Euro gezeichnet. Gemeinsam mit der Emission von 100 Mio. Euro Ergänzungskapital stehe der Beteiligungsbank, zu deren Schlüsselbeteiligungen etwa die RLB AG, Agrana, LLI, NÖM, Bauholding Strabag, epa! oder Do&Co zählen, nun ein "Eigenmittelturbo" von 200 Mio. Euro zur Verfügung. Das teilte Holding-Generaldirektor Erwin Hameseder bei der Bilanzpressekonferenz mit.

Dieses zusätzliche Kapital "gibt Handlungsspielraum und macht die Holding zu einem starken Partner für die Töchter", so Hameseder: "Wir sind stolz, aus eigener Kraft weiter wachsen zu können". Die Beteiligungsunternehmen der Bank "wachsen sehr stark und brauchen Eigenmittel", ließ Hameseder weitere Expansionsschritte bei den Tochterfirmen durchblicken. Mit dem Kapitalpolster von 200 Mio. Euro - "für den andere Unternehmen übrigens einen Börsegang machen müssen" - sei die Raiffeisen Holding nun in der Lage, jederzeit auch große Investments zu machen. Mit der Kapitalerhöhung steige die Eigenmittelquote im Konzern von 12 auf 16 Prozent.

"Portfolio vertiefen, nicht verbreitern"

Derzeit gebe es in einigen Märkten einen Bereinigungsprozess und Neuordnungen, so der Generaldirektor. "Wir wollen mehr Einfluss, vor allem dort, wo wir noch nicht die Mehrheit haben. Wir sind strategischen Arrondierungen jederzeit offen und streben diese auch an", gab Hameseder den Weg vor. Man bleibe aber dem Grundsatz "Portfolio vertiefen, nicht verbreitern", also Wachstum in den strategischen Geschäftsfeldern, weiterhin treu.

An Wachstumsprojekten nannte der Holding-Chef etwa die Nordautobahn, bei der es um ein Volumen von 700 Mio. Euro gehe. Zudem sei im Mühlengeschäft noch heuer der Einstieg in Tschechien geplant. Grundsätzlich seien Public Private Partnership (PPP)-Modelle ein "Wachstumsfeld", dem man sich stärker widmen wolle.

Die Eigentümerstruktur der Holding (vor allem die niederösterreichischen Raiffeisenbanken) sei nach wie vor sehr stabil, dies zeigen auch die heutigen Kapitalmaßnahmen, zeigte sich Hameseder zufrieden. Der Konzern sei seinen Beteiligungsunternehmen selbst ein zuverlässiger Kernaktionär und verlässlicher Kapitalgeber, betonte der Holding-Generaldirektor. "Daher haben wir auch keine Kernaktionärsdiskussion und kennen auch keine feindlichen Übernahmen. Die Unternehmen können sich voll auf ihren Unternehmenserfolg konzentrieren", sagte Hameseder.

2004 Ergebnisschub von 38 auf 52 Mio. Euro

Hameseder berichtete am Freitag von einem "wirtschaftlich guten Jahr" 2004. Das Konzernergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr ist von 38 Mio. Euro um 40 Prozent auf 52 Mio. Euro deutlich erhöht. Der Verkehrswert der mittlerweile 360 (310) Beteiligungen stieg um 25 Prozent, von 2 auf 2,5 Mrd. Euro, ergänzte Holding-Direktor Kurt Miesenböck. In der Gruppe sind insgesamt 81.000 Mitarbeiter beschäftigt, das bedeutet eine Steigerung um rund 25 Prozent in den vergangenen zwei Jahren.

In den Bilanzpositionen "Beteiligungen und Wertpapiere" kam es 2004 zu einem signifikanten Anstieg um 788 Mio. Euro auf 3,6 Mrd. Euro. Neben den Beteiligungszugängen sei dieser Zuwachs hauptsächlich auf Wertpapierzugänge zurückzuführen. Die Forderungen an Kunden und Banken haben sich 2004 um 2,6 Prozent auf 7,9 Mrd. Euro, die Einlagen der Kunden und Kreditinstitute um 10 Prozent auf 8,8 Mrd. Euro erhöht.

Die Bilanzsumme des Raiffeisen-Holding-Konzerns beträgt 12,3 Mrd. Euro und ist um 9 Prozent höher als im Vorjahr.

Gesamt-Ausschüttung von rund zehn Millionen Euro

Die überproportionale Steigerung der Betriebserträge gegenüber den Betriebsaufwendungen komme in der Cost-Income-Ratio zum Ausdruck, die von 65 Prozent auf 63 Prozent verbessert wurde. Die nachhaltige Ergebnisentwicklung spiegele sich auch in einer Steigerung des Return on Equity (ROE) von 7 auf 10 Prozent wider, das entspricht einer Zunahme um 40 Prozent, erläutere Miesenböck die Bilanz.

Die Ausschüttung an die Partizipationsscheininhaber wurde um 25 Prozent erhöht. Die Gesamt-Ausschüttung beträgt 10 Mio. Euro. Die 203 Mitglieder der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien, das sind vor allem die niederösterreichischen Raiffeisenbanken, erzielen aus der Verzinsung der Geschäftsanteile und des Partizipationskapitals eine Rendite von mehr als 7 Prozent.

1.320 Standorte in Mittel- und Osteuropa

Die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien hat in den vergangenen drei Jahren rund 350 Mio. Euro in ihre Beteiligungen investiert. Der Konzern ist aktuell an rund 1.500 Standorten vertreten, 1.320 davon liegen im Ausland, vorwiegend in Mittel- und Osteuropa. 65.000 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Die Unternehmen investierten 2004 etwa 480 Mio. Euro. Der erzielte Umsatz der Gruppe beträgt rund 11,2 Mrd. Euro (Ausland: 8,5 Mrd. Euro, Inland: 2,7 Mrd. Euro). Das Ergebnis der Industrie-, Dienstleistungs- und Medienbeteiligungen wird mittlerweile bereits zu zwei Drittel im Ausland erwirtschaftet.

Auch im laufenden Geschäftsjahr 2005 sei eine wesentliche Ergebnissteigerung geplant. Durch die IFRS-Umstellung werde sich die Zahl der konsolidierten Beteilungen von derzeit 21 auf mehr als 50 erhöhen. Das Ergebnis dürfte dann jenseits von 200 Mio. Euro liegen. (APA)

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