EU-Kommission entscheidet kommende Woche über "Safeguards"

27. April 2005, 09:52
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In einigen Produkt­bereichen seien die Importe seit Jänner um 800 Prozent gestiegen - Verlust von Arbeitsplätzen droht

Wien - Der heimische Faserhersteller Lenzing bestätigt auf Anfrage von derStandard.at, dass eine Auswirkung bei den Importquoten bereits deutlich spürbar sei. Die Textilindustrie wandere aus Europa ab, so eine Unternehmens-Sprecherin.

Der Geschäftsführer des Textilunternehmens "Linz Textil", Helmut Griessmayer, hat die Auswirkungen der Liberalisierung von Textilimporten aus China in einem ZiB3-Interview ebenfalls als "dramatisch" bezeichnet, derStandard.at berichtete. Griessmayer wies darauf hin, dass die Importe von Hosen und Pullovern seit Anfang Jänner "um 800 Prozent" gestiegen seien.

Lenzing habe diesen Trend aber kommen sehen und sich daher stark am Asien-Markt engagiert. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, der gerade mit einer Wirtschaftsdelegation in China ist, wird am Montag den Spatenstich für die neue Viscosefaserproduktion von Lenzing in Nanjing mit einer geplanten Jahreskapazität rund 60.000 Tonnen vornehmen. Nach einer Bauzeit von rund 18 Monaten soll das Werk Ende 2006 angefahren werden.

Entscheidung über "Safeguards"

Die EU-Kommission bereitet auf Druck der Mitgliedsländer jetzt Schutzmaßnahmen vor. Kommenden Montag schon könnte eine Entscheidung fallen, ob so genannte "Safeguards" seitens der EU eingeführt werden, sagte der Hauptgeschäftsführer des deutschen Gesamtverbandes der Textilindustrie, Rolf-Rüdiger Baumann. Diese Schutzmaßnahmen seien im Grunde Quoten, die für ein Jahr verhängt werden, danach komme eine neuerliche Bewertung.

Arbeitsplatz-Verluste drohen

Branchenvertreter hatten zuletzt vor einem Verlust von bis zu einer Million Arbeitsplätzen gewarnt, falls die EU nicht gegen die chinesischen Textillieferungen vorgehe. 20 Prozent der weltweiten Textilausfuhren kommen bereits aus China; dieser Anteil könnte nach Prognosen bis 2010 auf bis zu 50 Prozent steigen.

Mit Beginn des Jahres 2005 waren Exportobergrenzen im weltweiten Textilhandel gefallen. China hatte sich aber bei dem Beitritt zur WTO verpflichtet, auf Verlangen der EU bis 2008 seine Lieferungen nur um maximal 7,5 Prozent anwachsen zu lassen, wenn EU-Firmen unter höheren Exporten stark leiden. Die Kommission kann tätig werden, falls Einfuhren in den Produktgruppen gegenüber 2004 in der Spanne von 10 bis 100 Prozent wachsen. (red/APA)

Webtipp

  • Importe von Hosen und Pullovern aus China sind seit Anfang Jänner um 800 Prozent gestiegen
    foto: standard/christian fischer

    Importe von Hosen und Pullovern aus China sind seit Anfang Jänner um 800 Prozent gestiegen

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