"Gesprächskultur" zwischen Medien und Politik will Grenzen und Regeln

11. Mai 2005, 22:29
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Podiumsdiskussion der Initiative Qualität im Journalismus - "Inszenierungen ohne Newswert" versus "stay on the message"

Politiker, die auf Journalistenfragen nur hohle Phrasen parat haben, Journalisten, die Politikern nie Gesagtes in den Mund legen: Wie steht es wirklich um das Gesprächsklima zwischen Politik und Medien? Dieser Frage ging am Donnerstagabend eine Podiumsdiskussion der Initiative Qualität im Journalismus (IQ) nach, die zur Debatte stellte, ob gar ein "Untergang der Gesprächskultur" drohe.

Der Politikwissenschafter Fritz Plasser skizzierte eingangs die Rahmenbedingungen: Österreich sei "eine medienzentrierte Demokratie mit einer parteidominierten politischen Kommunikationskultur" - die Politik diktiere die "Spielregeln". Die Klagen der Medienschaffenden über Politiker sind denn auch vielfältig: "Inszenierungen ohne Newswert" kritisierte Anneliese Rohrer, langjährige "Presse"-Ressortchefin und nun freie Journalistin und an der Fachhochschule für Journalismus in Wien tätig. In Interviews würden Politiker "Journalistenfragen ignorieren", um ihre eigene Botschaft so nachdrücklich wie möglich anzubringen, so "Zeit im Bild 2"-Moderator Amin Wolf. Zudem häufen sich seiner Ansicht nach unglaubwürdige Statements. "Man kriegt halt einfach keine Antworten", meinte auch "Falter"-Chef Armin Thurnher.

Molterer: "stay on the message" legitim

"Wenn Sie den Eindruck haben, dass Politiker nicht jede Frage beantworten, die sie nicht beantworten wollen - ja", räumte Molterer ein. Das Prinzip "stay on the message" sei legitim: "Es ist Teil meines Jobs, über Medien Botschaften zu vermitteln", also auch die Medien als "Instrument" zu verwenden. "Das macht jede Partei." Auch sei es "nicht Aufgabe des Politikers, dem Journalisten das Leben zu erleichtern".

Christoph Kotanko, Chefredakteur des "Kurier", sah für die Medien auch Anlass zum Kehren vor der eigenen Türe: Die Antwort eines Politikers habe ja auch etwas mit der "Qualität der Fragen" zu tun. Rohrer pflichtete bei: Es brauche auch eine Diskussion über "das Personal in den Medien".

"Spielregeln" wären hilfreich

Gewisse "Spielregeln" könnten dem Gesprächsklima zwischen Politik und Medien weiterhelfen, wurde schließlich angeregt. Zum Beispiel beim Autorisieren von Interviews, wo es immer wieder zu einem regelrechten "Kampf um gewisse Formulierungen" komme, so Kotanko: Ein "Code", was erlaubt sei und was nicht, könnte für beide Seiten eine Basis bilden, meinte Rohrer. Was IQ-Präsident Engelbert Washietl ("WirtschaftsBlatt") durchaus für machbar hielt.

"Völlig unsauber"

Regeln allerdings gebe es schon "jede Menge", man brauche sie nur einzuhalten, betonte APA-Chefredakteur Wolfgang Mayr. Etwa, dass in Gesprächen "im Off" Gesagtes klar ausgewiesen und dann tatsächlich "off" bleibt. Hier werde "völlig unsauber" vorgegangen, so Mayr. Nicht nur "Spielregeln", sondern klare Grenzen und deren Einhaltung braucht es daher, so ein weiteres Ergebnis der Diskussion: "Uns muss klar sein, dass wir auf verschiedenen Seiten stehen", so Kotanko. (APA)

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