"Quasi-Vernichtung dieses Wissenschaftsbereiches"

21. Dezember 2005, 12:42
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Am Institut für Erziehungswissenschaften der Uni Innsbruck herrscht Aufregung: Die Professur für integrative Pädagogik soll gestrichen werden

Im Rahmen der Neuausrichtung des Studienangebotes an der Universität Innsbruck (derStandard.at/Uni berichtete) soll auch bei der Pädagogik gekürzt werden. Rektor Manfred Gantner hat entschieden, die seit Jahren vakante Lehrkanzel des Fachbereiches "Integrative Pädagogik" nicht nur nicht zu besetzen, sondern auch einen weiteren Planposten abzuziehen.

Langer Weg

"Damit sind die 15-jährigen Bemühungen um eine Lehrkanzel für integrative Pädagogik durch den Rektor beendet worden", heisst es in einer Stellungnahme der InstitutsmitarbeiterInnen. So lange bestehen nämlich die Bemühungen zur Besetzung des Lehrstuhls für integrative Pädagogik mit dem Schwerpunkt der Integration behinderter Menschen am Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Innsbruck. Dieser Arbeitsbereich ist unter anderem durch die Einrichtung einer digitalen Bibliothek zu Fragen der Integration behinderter Menschen (bidok.uibk.ac.at), international bekannt geworden.

Breite Unterstützung

Die Kürzungen haben massiven Widerstand unter Univeristätsangehörigen, aber auch zahlreichen Institutionen der Behindertenhilfe- und Betreuung ausgelöst. Der akademische Mittelbau des Instituts für Erziehungswissenschaften appellierte nun in einer Stellungnahme an den Rektor, die Entscheidung rückgängig zu machen. Unterstützt wird dieser Appell von 299 Institutionen und Personen aus Wissenschaft und Praxis aus dem deutschsprachigen Raum. Darunter befinden sich 55 universitäre Einrichtungen, Einrichtungen der Behindertenhilfe und Selbsthilfeorganisationen.

"Unmittelbare Folgen"

In einer Stellungnahme schreibt der österreichische Berufsverband der BehindertenbetreuerInnen: "Die Quasi-Vernichtung dieses Wissenschaftsbereiches hat zwar unmittelbare Folgen für die MitarbeiterInnen und Studierenden des Forschungsbereiches. Mittelbar sind davon aber auch tausende Fachkräfte, die behinderte Menschen betreuen, begleiten und beraten betroffen. Ihnen wird die wissenschaftliche Basis entzogen. Ebenso wie jenen tausenden, die in Zukunft diesen Beruf wählen werden." (az)

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