Neuer Spirituosen-Gigant entsteht

2. Mai 2005, 11:33
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Frankreichs Pernod Ricard schluckt britischen Konkurrenten Allied Domecq

Patrick Ricard hat die Wahl, mit welchem Getränk er auf seinen größten Coup anstoßen will: Der 59-jährige Patron der gleichnamigen Pastis-Familie dürfte bald über 20 der 100 meistverkauften Spirituosen und Weine der Welt gebieten. Pernod Ricard - seit der Übernahme von Seagram im Jahre 2001 auf dem Weltmarkt Nummer drei - lanciert ein freundliches Übernahmeangebot für Allied Domecq, die Nummer zwei hinter dem ebenfalls britischen Spirituosenkonzern Diageo.

Pernod-Partner hat Akquisition finanziell unterstützt

Der Kaufpreis beträgt 10,7 Mrd. Euro, ein Aktienaufpreis von 36 Prozent. Allein hätte der französische Alkoholhersteller diese Großübernahme nicht finanzieren können, da Allied Domecq sowohl an der Börse wie umsatzmäßig mehr wiegt als Pernod Ricard. Etwas mehr als vier Mrd. Euro steuert daher Pernod-Partner Fortune Brands bei.

Pernod Ricard wird ungefähr zwei Drittel der Allied-Produkte erwerben und verfügt mit ihnen über ein eindrucksvolles Marken-Portfolio mit einem Umsatz von rund 5,8 Mrd. Euro. Das Stammgeschäft besteht aus Pastis-Marken wie Ricard und "51"; dazu gehören seit der Übernahme von Seagram auch Whiskys wie Chivas Regal sowie Havana Club Rum und Martell Cognac. Mit der Übernahme von Allied Domecq kommen dazu auch Ballantine's Whisky, Beefeater Gin oder der Rum Malibu - sowie eine Reihe von Wodkas, Likören und Weinen aus Spanien und Kalifornien.

Marktposition ausgebaut

Dank den Allied-Produkten erhält Pernod einen guten Zugang zum US-Markt, wo Pernod nur Nummer sechs ist, doch stärkt er sich auch in England, Mexiko und Südkorea. "Dies ist ein weiterer Schritt in unserer Strategie, die Welt besser abzudecken und wichtige Marken in allen Spirituosenkategorien zu haben", meinte der Pernod-Chef.

Der zweite Sohn des einstigen Konzernpatriarchen erfüllt sich mit der Übernahme von Allied Domecq einen lang gehegten Wunsch - und bringt Kritiker zum Schweigen, die ihm mangelndes Geschäftsflair vorgeworfen hatten. Patrick Ricard hatte nie Eliteschulen besucht, saß aber seit seinem 12. Lebensjahr im Verwaltungsrat des Familienunternehmens.

In den Siebzigerjahren begann der Autodidakt in dem Pastis-Unternehmen aus Marseille als Auslieferer. In die Direktion aufgestiegen, konzentrierte er den Konzern geduldig auf die Spirituosenbranche, indem er etwa den Softdrink Orangina verkaufte. 2001 schlug er ein erstes Mal mit der Übernahme von Seagram zu; nun macht er sich kurz vor seinem 60. Geburtstag das größte Geschenk mit Allied Domecq. International bleibt der Südfranzose allerdings klare Nummer zwei hinter Branchenprimus Diageo, der 1997 aus Grand Metropolitan und Guinness entstand - und Marken wie Smirnoff, Johnnie Walker, Gordon's Gin oder Baileys vertreibt. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.4.2005)

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    Pernod Ricard erwirbt den britischen Konkurrenten Allied Domecq und sichert sich damit ein Marken-Portfolio mit einem Umsatz von rund 5,8 Milliarden Euro.

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