Grabenkämpfe um vierzig Quadratmeter

2. Mai 2005, 11:45
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Der Graben gehört zum "Goldenen U" der Wiener City, Flächen sind teuer - Ein alteingesessener Fotohändler sieht sich nun unter Druck gesetzt

Wien - In der Auslage von Foto Wachtl findet sich derzeit nicht nur das, was man von einem Fachgeschäft erwarten würde: Apparate, Objektive, Handbücher. In die Auslage des kleinen Geschäftes am Wiener Graben Nr. 22 wurden auch diverse Zeitungsartikel gehängt: In allen geht es nur darum, wie gut die Erste Bank bzw. wie gut deren Vorstandschef Andreas Treichl verdient.

Eine Nachfrage beim Chef des kleinen Fotogeschäfts nach dem Sinn dieser Dokumentation ergab: "Man versucht, uns herauszubekommen", sagt Franz Schieder, der mit Robert Kopetzky das Geschäft als OHG führt. "Man" sei im konkreten Fall der Hauseigentümer, die Erste Bank.

Mietkosten-Streit

"Wir drängen doch keinen kleinen Händler hinaus", sagt Michael Mauritz, Sprecher der Wiener Großbank, die auch ihr Hauptquartier am Graben hat. Die Bank habe lediglich im Jahr 2001 einen "angemessenen Mietzins" gerichtlich feststellen lassen - mit dem Eigentümerwechsel beim als "Herma Wachtl" im Firmenbuch eingetragenen Betrieb. Die Differenz zwischen dem alten Friedenszins und dem neuen muss demnach auf 15 Jahre aufgeteilt bezahlt werden. Laut Immobilienexperten wird für ein Lokal mit 40 Quadratmetern mit dieser Toplage eine Monatsmiete von 6000 bis 7000 Euro verrechnet. Der Friedenszins bewegt sich unter 200 Euro. Die angemessene Miete könnte demnach bei rund 4000 Euro liegen.

Schieder sagt im STANDARD-Gespräch, dass seine Nachbarn, die Wiener Textilhandelsfamilie Jonak, sein Lokal haben wolle. Friedrich Jonak bestreitet das auch gar nicht, es wäre "eine weitere Auslage für (die französische Nobelmarke, Anm.) Hérmes". Jonak bestreitet aber, Druck auf den Nachbarn auszuüben.

Hintergrund sei, berichten Immobilieninsider, dass die Wachtl-Eigentümer durchaus bereit wären, ihr Geschäft abzugeben. Angeblich spieße es sich bei der Ablöse: gefordert werden 1,5 Mio. Euro, geboten ein Drittel davon. (szem, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.4.2005)

  • Ein kleiner Wiener Traditionsbetrieb fühlt sich unter Druck durch zwei Große.
    foto: standard/matthias cremer

    Ein kleiner Wiener Traditionsbetrieb fühlt sich unter Druck durch zwei Große.

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