Onkel Adolf, liebeskranker "Führer" in Farbe

11. Mai 2005, 22:20
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Ob Hitler auch im Privatfernsehen Quote bringt, testeten RTL und Sat.1

Ob Hitler auch im Privatfernsehen Quote bringt, testeten RTL und Sat.1 Sonntag. Kurz vor "Speer und Er" treibt damit der TV-Dauerbrenner "Drittes Reich" einem neuen Höhepunkt zu.

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Die Spannung steigt: Ab 9. Mai zeigt der ORF Heinrich Breloers Dokudrama "Speer und Er" in vier Teilen - für viele das "Fernsehereignis des Jahres". Tobias Moretti in der Rolle des Adolf Hitler und Sebastian Koch als Architekt und Rüstungsminister Albert Speer versprechen gute Einschaltquoten bei hoher Qualität. Dem Bildungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens müsste damit ausreichend Genüge getan sein. Dazu kommt eine neuerliche Häufung des Themas quer durch alle Programme, je näher der Termin rückt - auch abseits fixer Ge- und Bedenktage. An die 30 Dokumentationen und Spielfilme begleiten "Speer und Er" (siehe links).

Ob Hitler auch im Privatfernsehen Quote bringt, testet Sonntagabend etwa Sat.1. "Die Nichte - Hitlers verbotene Geliebte" (Originaltitel: "Uncle Adolf") erzählt die Geschichte von Geli Raubal und zeigt wieder "menschliche Seiten" des "Führers".

Charmanter Kellner

Dieser von Oliver Hirschbiegls "Der Untergang" eingeleitete Tabubruch scheint sich zu verselbstständigen. Während Breloer Moretti nach Eigendefinition noch "den glutäugigen Charme eines Wiener Oberkellners" verleiht, ist "Onkel Adolf" hier kaum noch vom netten, älteren Herrn zu unterscheiden.

Ein Schelm, wer hinter der britischen Produktion kalkulierte Provokation vermutet. So tänzelt also ein liebeskranker "Führer" zu Walzerklängen um das süße Mädel Geli, kaum zu unterscheiden von den üblichen Herzschmerzfilmen um Liebe, Tod und Eifersucht, die Sat.1 normalerweise produziert. Nachhilfeunterricht im Fach "Geschichte verstehen": Krieg, Massenmorde, Untergang: Alles nur, weil Geli sich umbrachte.

"War Hitler in der Lage, Frauen zu lieben?" Das interessiert auch Peter Kloeppel in der zweiteiligen RTL-Dokumentation Hitler. Der erste Teil "Verführer des Volkes" läuft Sonntagabend - übrigens unmittelbar nach "Die Mumie" kehrt zurück. Ausschließlich mit Farbbildern dokumentiert Kloeppel die Zeit Anfang der 30er-Jahre bis 1945, zu Wort kommt der Hitler-Biograf Joachim Fest, Hitlers Reden rezitiert Manfred Zapatka (Das Himmler-Projekt).

Die Lust am Schrecken wirkt länderübergreifend. Während noch vor einem halben Jahr die Londoner "Times" die "absurde Dimension" der neuen Medienhysterie um Hitler beklagte, erlag Großbritannien zum Kinostart von "Der Untergang/Downfall" erst recht dem Hype. Wochenlang gab es Hitler satt in TV und Radio.

Für ein Leben nach Speer ist ebenfalls gesorgt: Produzent Bavaria bastelt bereits an neuen Dokus über die Zeit des NS-Regimes. Noch im Herbst läuft im ZDF der zehn Millionen teure Zweiteiler "Dresden": Die Liebe zwischen einer Krankenschwester und einem britischen Bomberpiloten. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 22.4.2005)

Hitler-Filme im Fernsehen

Zahlreiche Spielfilme und Dokumentationen geleiten den Zuschauer zum "Fernsehereignis des Jahres", Heinrich Breloers dreiteiligem Dokudrama "Speer und Er" ab 9. Mai. DER STANDARD bietet eine kleine Auswahl der nächsten Tage:
23. April: Das letzte Aufgebot (20.15, WDR)
24. April: Die Nichte - Hitlers geheime Geliebte (20.15, Sat.1); Die Gestapo (21.45, ARD); Hitler (22.45, RTL); Hitlers letzter Soldat (23.00, BR); Europa in Flammen (23.40, RTL)
25. April: Hitlers Ende im Bunker (22.45, BR); Der Krieg ist aus (22.50, MDR); Auschwitz (23.00, NDR)
26. April: Themenabend "Die Stunde null" (20.15, XXP); Mussolini - Die letzten Tage (22.10, WDR); Als der Krieg zu Ende war (22.15, NDR); Nackt unter Wölfen (23.00, HR)
27. April: Holocaust - Teil eins (22.00, WDR)
28. April: Konzentrationslager Dachau (23.15, BR).

  • Bussi für Adi: Eva Braun huldigt dem "Führer" in "Die Nichte - Hitlers verbotene Liebe" kommenden Sonntag auf Sat.1.
    foto: der standard/sat.1

    Bussi für Adi: Eva Braun huldigt dem "Führer" in "Die Nichte - Hitlers verbotene Liebe" kommenden Sonntag auf Sat.1.

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