"Sind zu klein, den Gaspreis zu beeinflussen"

9. Mai 2005, 14:01
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Neue Gasfunde seien möglich, Auswirkungen auf den Gaspreis nicht, sagte OMV-Vorstand Helmut Langanger im Standard-Interview

Standard: Wie groß sind die Chancen, in Österreich auf weitere signifikante Erdgasvorkommen zu stoßen?

Langanger: Wir sind überzeugt, dass wir mit diesem Fund noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen sind. Im zweiten Halbjahr wollen wir erste Schritte setzen in die Waschbergzone um Poysdorf und Laa/Thaya – ein bisher wenig erkundetes Gebiet. Wir rechnen uns gute Chancen aus, Kohlenwasserstoffe zu finden.

Standard: Wieso dauert es so lang, bis das Erdgas kommerziell genutzt werden kann – von der ersten seismischen Bohrung bis zur Produktion sind es im konkreten Fall immerhin fünf Jahre?

Langanger: International gesehen ist das sehr kurz. Schon die Auswertung der seismischen Messungen ist außerordentlich zeitintensiv. Die Bohrung muss gut vorbereitet werden, schließlich will man ja mit größtmöglicher Treffsicherheit hineinstoßen. Eine Bohrung kostet sieben Millionen Euro. Dann müssen Genehmigungen eingeholt werden, mit Grundstückseigentümern ist zu verhandeln, eine Aufbereitungsanlage ist zu errichten und eine Pipeline zu bauen, um das Gas in das Netz einzuspeisen. Das dauert seine Zeit.

Standard: Wie viel Geld müssen sie in Strasshof investieren, um das Gas herauszuholen?

Langanger: In Summe 70 bis 100 Millionen Euro. Das ist sehr viel Geld. Deshalb trachten wir auch, möglichst zielsicher vorzugehen.

Standard: Werden die Konsumenten auch etwas vom Fund haben, wird Gas vielleicht sogar billiger?

Langanger: Wir sind zu klein, um den Gaspreis zu beeinflussen. Der Gaspreis in Europa bildet sich, wie der Ölpreis auch, im Zusammenspiel der großen Player. Das sind zum einen Förderländer wie Russland und Norwegen, zum anderen große Abnehmer wie Ruhrgas, Gas de France oder die italienische Snam. Wir in Österreich sind Preisnehmer. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.4.2005)

ZUR PERSON

Helmut Langanger (54) ist seit Jänner 2002 im Vorstand der OMV für Exploration und Produktion zuständig.

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